Während man bei uns in Portugal weiterhin über die Finanzierungspolitik der Künste diskutiert, ist oben im Norden das halb so große und weitaus weniger bevölkerte Dänemark zu einem der wichtigsten Filmproduzenten geworden.

Wie hat es das geschafft? Indem es seine Kräfte auf Kinder und Jugend konzentrierte. Worin besteht das Interesse, Steuergelder zur Subvention von Filmen auszugeben? Warum können diese nicht selbst für sich ”sorgen”? Der Direktor des dänischen Filminstituts Det Dansk Filminstitut Henrik Bo Nielson erklärt uns im Gespräch, dass die Politiker auf diese Fragen schon zu Beginn der 1970er Jahre schlüssig und langsichtig geantwortet haben.

In Dänemark hatten diese Fragen damals Gewicht, doch heute sind sie kein Diskussionsgegenstand mehr. Zudem berücksichtigten die Antworten die Ziele, die man sich gegenüber den Bürgern und vor allem den Kindern gesetzt hatte. Seitdem werden diese Ziele immer höher gesteckt. Dies wird besonders im Gesetz aus den 1980er Jahren deutlich, das ein Viertel der jährlich insgesamt 70 Millionen Euro Filmsubventionen für Aktivitäten und Produktionen für Kinder und Jugendliche vorsieht.

Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr werden in Dänemark in den 162 Kinos des Landes an die 13 Millionen Eintrittskarten verkauft. Daraus ergibt sich ein Durchschnitt von 60 Zuschauern pro Vorführung. Je nach Jahr variiert die Zahl der dänischen Produktionen unter den 20 meistgesehenen Filmen zwischen fünf und acht. Der Staat finanziert im Durchschnitt 25 Spiel- und 30 Dokumentarfilme. Das Budget pro Film beläuft sich im Schnitt auf 2,5 Millionen Euro, von denen der Staat rund ein Drittel übernimmt.

60 Zuschauer pro Vorführung

In Portugal wurden 2010 16,5 Millionen Eintrittskarten verkauft; 22 nationale Spielfilme wurden gedreht, doch keine der portugiesischen Produktionen kam unter die Top 40. Der dänische Filmmarkt, der Kinovorführungen und Ausstrahlungen auf den staatlichen Fernsehkanälen mit einschließt, zählt knappe 22 Prozent an dänischen Filmen (in Portugal liegt der Prozentsatz bei 2,5 Prozent).

Bo Nielsen hat keinen Zweifel daran, dass diese Zahlen die Frucht der erreichten Qualität des dänischen Films sind. Die Finanzhilfen tun das ihre, aber vor allem führten das seit Jahren wachsende “Talent” und “Vergnügen” zum Erfolg. “Wenn dies ist, was wir uns erhoffen,” fährt er fort “dann müssen wir erkennen, dass wir eine nationale Filmpolitik mit Subventionen aufbauen müssen.

Wir können unmöglich von den derzeitigen Einfuhren des Kinos leben und gleichzeitig Filme von guter Qualität machen. Glücklicherweise sind fast alle europäischen Länder der Meinung, dass eine finanzielle Unterstützung nötig ist. Die Idee, die sich durch ganz Europa zieht, ist, dass jeder die Möglichkeit haben will, seine eigene Geschichte zu erzählen. Wir haben festgestellt, dass die Dänen, die die Filme durch ihre Steuern finanzieren, von ihnen profitieren. Das zeigen die Besucherzahlen auch deutlich.”

Allerdings begann die Erfolgsgeschichte, als die Aufmerksamkeit auf die Ausbildung der Filmbranche gerichtet wurde. Dies geschah lange bevor die Subventionspolitik in Kraft trat. Die Dänische Filmschule erhielt gewaltige Subventionen vom Staat und florierte in den 1970er Jahren. In besonderen Jahren schafft sie es, sechs Regisseure auf den Markt zu bringen, von denen ein oder zwei aus einem anderen skandinavischen Land kommen.

Förderung der Jungen

Dadurch entsteht ein Wettbewerbsklima, das junge Kreative anlockt. “Es ist nicht nötig, den Großteil des Budgets in Filme zu stecken, die sich die meisten Leute anschauen”, erklärt Bo Nielson. “Wenn wir das täten, würden die Finanzhilfen fast ausschließlich an Familienkomödien und Vampirfilme gehen. Genau wie mit den Kunstsubventionen muss man sich auf das konzentrieren, was der Markt gemeinhin vernachlässigt. Erfreulicherweise haben wir Politiker, die akzeptieren, fast 1,5 Millionen Euro in einen Film zu investieren, den sich nur wenige Leute anschauen, der aber künstlerisch wertvoll ist. Dadurch entwickelt sich das Kino weiter.”

Der Schlüssel zum Erfolg ist die Aufmerksamkeit, die den Jüngsten entgegengebracht wird. Ein Viertel des Jahresbudgets für die Filmbranche wird in Kinderfilme investiert. Das hat unglaubliche Auswirkungen. Vor allem bedeutet es, dass es mit steigender Zuschauerzahl einfacher wird, Produktionen anderer Art zu finanzieren. 2010 war zum Beispiel ein Viertel der hunderttausend Zuschauer der Filmothek von Kopenhagen jünger als sieben Jahre alt.

Es handelt sich also um eine etablierte Strategie, die sich bis hin zum Marketing und den Vertrieb von Filmen ausdehnt. Regelmäßig werden für Schulen reservierte Vorführungen gezeigt. Jedes Jahr werden die Programme so aufgebaut, dass für alle Kinder im Schul- oder Vorschulalter etwas dabei ist. Es gibt Leitfäden für Lehrer (auf die auch Eltern zugreifen können), damit die Filme erarbeitet werden können. Auf der Seite des Instituts steht eine umfangreiche Sammlung von einigen hundert Kurz- und Dokumentarfilmen kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung.

Für Bo Nielsen sind die Zuschüsse für den Jugend- und Kinderfilm auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. “Es ist eindeutig, dass Kinder der Mittelklasse und Bürgerschicht häufig ins Kino gehen. Sie erhalten eine gute Bildung. Doch bekommen Kinder der sozial benachteiligten Klassen auch die Gelegenheit, ins Kino zu gehen, wenn der Staat nicht eingreift? Die Antwort ist nein, bekommen sie nicht.” (sd)