Jacques Santer, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission, wurde am Montag, den 23. Januar zum Vorstandsvorsitzenden der “Investment-Zweckgesellschaft” (SPIV) ernannt, die die Feuerkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF stärken soll. Santer, so ruft die Londoner Tageszeitung Daily Telegraph in Erinnerung,

… leitete die Kommission, die 1999 zurücktrat, nachdem ein verheerender Bericht über Korruption und Vetternwirtschaft das Versagen der Leitung des EU-Exekutivorgans aufgezeigt hatte.

Alle 20 Kommissare traten zurück – dies galt damals als die bis dahin schwerwiegendste Krise in der Geschichte der Europäischen Union.

Santer wurde zwar von dem Vorwurf freigesprochen, direkt an der Korruption beteiligt gewesen zu sein, man kritisierte jedoch, dass es ihm nicht gelungen war, in der Kommission für Ordnung zu sorgen, so der Telegraph.

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe und Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker verteidigte die Entscheidung, indem er erklärte, Santer, selbst ehemaliger Luxemburger Premierminister, “hat sowohl Europa als auch seinem eigenen Land nach Kräften gedient”. Martin Callanan, dem Chef der britischen Konservativen zufolge, gilt jedoch:

Jacques Santer mit Kapitalbeschaffung zu beauftragen, ist wie Dracula zum Leiter einer Blutbank zu ernennen. Santers kleine Helfer haben ihn aus der Versenkung gezogen und ihm einen neuen, bequemen Job bei der EU beschafft.