Angefangen hat alles hier. Solidarnosc-Führer Lech Walesa in Danzig bei der Gedenkfeier zum 18. Geburtstag der Revolte der Werftarbeiter, Dezember 1988. (AFP)

Dass Polen nicht vergessen wird...

Für die ganze Welt bedeutet der Fall der Berliner Mauer das Ende des Kommunismus in Europa. Es waren aber die ersten freien Wahlen in Polen, die fünf Monate zuvor abgehalten wurden, die den Weg zum Wandel ebneten. Dabei entstanden nur weniger eindrucksvolle Bilder als beim Mauerfall, stellt der Journalist Jacek Stawiski fest.

Veröffentlicht am 9 November 2009
Angefangen hat alles hier. Solidarnosc-Führer Lech Walesa in Danzig bei der Gedenkfeier zum 18. Geburtstag der Revolte der Werftarbeiter, Dezember 1988. (AFP)

Alles fing in Polen an. Dieses Jahr haben sich die polnischen Institutionen, Nicht-Regierungsorganisationen und Medien wirklich Mühe gegeben, die Europäer – und auch die Deutschen - daran zu erinnern, dass der Wandel 1989 von den demokratischen Änderungen in Polen ausging. Ohne die polnischen Ereignisse wäre es weder zum Abriss der Mauer in Berlin noch zur deutschen Wiedervereinigung gekommen. Wir müssen uns dennoch an die Tatsache gewöhnen, dass der Fall der Mauer am Abend des 9. November 1989 das Hauptsymbol für den Zusammenbruch des Kommunismus ist und bleibt. Für viele Polen ist dies störend, ärgerlich, sogar inakzeptabel, aber es ist nun einmal die traurige Wahrheit und es wird daher zu unserer nationalen Aufgabe, Europa geduldig das historische Geschehen in polnischer Fassung darzustellen.

Die Gründe dafür, dass Berlin und nicht Warschau das Symbol des Zusammenbruchs des real existierenden kommunistischen Regimes nach sowjetischem Vorbild geworden ist, sind verschiedenartig. Nach dem Kalten Krieg hat das neue Deutschland sicherlich viel dafür getan, das Bild einer Wiedervereinigung aufrecht zu erhalten, die von der pazifistischen und demokratischen Revolution in der DDR ausging. Die zentrale Rolle des Mauerfalls von Berlin im Herbst der Völker wurde durch die Berichterstattung in den Medien besiegelt, als ein einzigartiger Moment, der auf Fotos und vom Fernsehen auf ewig festgehalten wurde. Die Fotos von Menschen, die die Mauer durchbrechen und die Steine herunterreißen, zeigen nämlich besser den Triumph der Freiheit als Fotos von den Wahlen vom 4. Juni [die ersten halbfreien Wahlen in Polen, die die Opposition gewann]. Trotz allem beruht die Sonderstellung des Mauerfalls im allgemeinen Geschichtsbewusstsein hauptsächlich auf der Bedeutung des geteilten Deutschlands in der Weltpolitik nach dem Niedergang des Dritten Reichs.

Die Wiedervereinigung kommt aus Polen

Dies mag einige Polen verstimmen, aber erst nach der deutschen Wende und Helmut Kohls 10-Punkte-Plan für die deutsche Wiedervereinigung Ende November 1989, den er ohne vorherige Rücksprache mit Moskau, Paris und London und selbst mit seinem eigenen Außenminister vorlegte, dem Washington aber zugestimmt hatte, wurde es offensichtlich, dass die Veränderungen in Mittel- und Osteuropa unumkehrbar geworden waren.

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Wir Polen haben gute Gründe, die vorrangige Bedeutung des polnischen Aufstands gegenüber dem deutschen weiterhin zu verteidigen. Die Erinnerung an diese Ereignisse ist eine Verpflichtung für die Folgeregierungen, –präsidenten und –generationen. Trotzdem sollten auch wir am Jahrestag des Mauerfalls feierlicher Stimmung sein. Denn die deutsche Wiedervereinigung hat im Grunde genommen in Polen begonnen, woran sich die deutschen Führungskräfte dank unserer historisch-politischen Offensive erinnern. Außerdem hat uns der Fall der Berliner Mauer endgültig aus Moskaus Einflussbereich gezogen. Der Fall der Berliner Mauer hat tatsächlich in Polen begonnen.

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