Debatte um die „Françafrique“

Veröffentlicht auf 15 April 2011 um 14:54

Libération enthüllt „die Rolle der französische Armee“ bei der Festnahme von Laurent Gbagbo durch die Soldaten des neuen Präsidenten der Elfenbeinküste Alassane Ouattara. Seit der Festnahme des ehemaligen Präsidenten in Abidjan am 11. April hat die Frage um die französische Beteiligung eine Diskussion in Frankreich entfacht.

Bevor Nicolas Sarkozy zum Präsidenten gewählt wurde, „hatte er hoch und heilig das Ende der Françafrique versprochen, aber viele erinnert sein direktes und aktives Eingreifen in die Krise an der Elfenbeinküste doch zumindest an eine leidige Einflussnahme, die der Zeit, in der die afrikanische Sparte im Elysée-Palast über die politische Zukunft der schwarzen Könige entschied, um nichts nachsteht“, analysiert die von Slate Afrique zitierteburkinische Tageszeitung L’Observateur Paalga.

Die Humanité zitiert ihrerseits die 2010 von WikiLeaks veröffentlichten amerikanischen diplomatischen Depeschen. „Anstelle eines Bruchs hat sich die Françafrique – von Nicolas Sarkozy angetrieben – dahingehend gewandelt, dass die Beziehung Frankreichs mit seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien der neuen internationalen Situation der Globalisierung angepasst ist“. Den vom kommunistischen Blatt zitierten amerikanischen Botschaftern nach „versucht Frankreich, ‚die EU in die Krisen einzubinden’, wie im Tschad und in Zentralafrika mit Eufor. Es möchte zudem ‚die Rolle der ONU im Krisenmanagement verstärken. Dies wurde an der Elfenbeinküste schon eingeführt. Mit dieser Strategie ‚können sich die Franzosen im Windschutz Europas oder der ONU verstecken’, so das Dokument.“

„Eine Sache ist sicher“, so das Blatt weiter: Bolloré, Total, Bouygues und France Télécom können durchatmen; wie ein Politologe vor einigen Tagen gegenüber einer Wirtschaftszeitung sagte, ‚die französischen Investoren haben goldenen Zeiten in der Elfenbeinküste vor sich‘.“

Der Libération zufolge sollte man die Zügel ab jetzt in den Händen der Elfenbeinküste lassen: „So läuft das in der Elfenbeinküste, die juristisch seit dem 7. August 1960 dekolonisiert ist. Alassane Ouattara, der von seinen Feinden beschuldigt wird, ein vom Ausland gemachter Mann zu sein, muss so schnell wie möglich seine Unabhängigkeit bekräftigen. Der erste Test, inwieweit er eigenständig handelt oder beeinflussbar ist, wird die Art sein, mit der er mit seinem besiegten Feind, dessen Partisanen und Wählern umgeht. […] Die Menschen der Elfenbeinküste müssen ihren Weg selbst ebnen zwischen Erinnerungspflicht und Versöhnung, zwischen Justiz und der Notwendigkeit, zusammenzuleben.“ (sd)

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