Die Griechenland-Falle

In Athen geht der Nervenkrieg um den Schuldenschnitt ins Finale. Die Verhandlungen zwischen privaten Gläubigern und Regierung stocken gefährlich. Bevor Griechenland 130 Milliarden Euro Hilfe bekommt, soll es Reformerfolge vorweisen – die aber sind bei allem guten Willen nicht zu erreichen.

Veröffentlicht auf 24 Januar 2012 um 14:44

Jeder Tag bringt die gleichen Bilder. Anzugträger mit ernsten Gesichtern schreiten zügig auf eine Drehtür zu, sie winden sich in ein unbekanntes Gebäude und verschwinden im Dunkeln. Die Szenen spielen in Athen, sie zeigen die Unterhändler des Internationalen Bankenverbandes und der griechischen Regierung, die sich täglich aufs Neue treffen, um über den Schuldenerlass für Griechenland zu pokern. Auf 100 Milliarden Euro sollen private Banken und Hedgefonds freiwillig verzichten, das hatten sie unter dem Druck der europäischen Regierungen auf dem EU-Gipfel im Oktober 2011 zugesagt.

Das klang überzeugend; doch ist das Vorhaben längst noch nicht in trockenen Tüchern. Dafür sitzen die Helfer selbst in der Falle: Europäer und Weltwährungsfonds haben den Schuldenerlass zur Bedingung dafür gemacht, dass sie ein zweites Rettungspaket für Griechenland schnüren: 130 Milliarden, die dem Land bis 2020 auf die Beine helfen sollen. Aber wenn sie sich nicht einigen, gibt es kein Rettungspaket. Sondern die Pleite.

Private Finanzinstitute an den Kosten der Krise beteiligen zu wollen, hat sich als großer Fehler herausgestellt. Das dämmerte inzwischen den Helfern, allen voran der in dieser Sache besonders engagierten Bundesregierung. Was in der Sache durchaus richtig ist, wurde praktisch so dilettantisch angegangen, dass sogar Berlin “substanzielle Kollateralschäden” diagnostizieren musste. In Brüssel erklärt ein EU-Diplomat, was das bedeutet: “Die Sache hat sich gegen uns gewendet, weil sich Investoren vorausblickend weigern, überhaupt langfristig laufende europäische Staatspapiere zu kaufen, deutsche ausgenommen.” Der Mann kennt sich aus in Griechenland. Er sagt, er sehe jetzt “zum ersten Mal die reale Gefahr, dass wir unbewusst die Kontrolle darüber verlieren, was in Griechenland passiert”. Lesen Sie den ganzen Artikel auf der Website der Süddeutschen Zeitung…

Verhandlung

Eurogruppe macht neuen Druck

“Die Finanzminister der Eurozone lehnten am 23. Januar das Abkommen ab, in welchem die privaten Inhaber griechischer Schuldverschreibungen die ‘maximalen’ Verluste angaben, die sie zu verschmerzen bereit sind”, berichtet die Financial Times. Damit geht der “Eiertanz” nun in “eine neue Runde der waghalsigen Politik […], um die Schuldenlast des Landes zu erleichtern”. Denn die europäische Unterstützung von 130 Milliarden Euro wird erst dann an Griechenland ausgezahlt, wenn Athen mit den Banken zu einer Abmachung gefunden hat.

Die Minister fordern, der Zinssatz für Schuldverschreibungen auf 30 Jahre solle unter durchschnittlich 3,5 Prozent liegen. Diese bekämen die Banken nämlich im Gegenzug, wenn sie einen Teil der aktuellen griechischen Schulden aufgeben. Mit einem höheren Zinssatz würden die Banken nicht mehr als 65 oder 70 Prozent ihrer Außenstände verlieren, er wäre jedoch für die langfristigen griechischen Schulden zu schwer tragbar.

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