Ein “finanzieller Völkermord”

Die Griechen sind “sparunwillig”? Ein Linzer Jurist mit Zweitwohnsitz in Athen, hat ihr tägliches Leben beobachtet und schließt: Sie sparen sich zu Tode.

Veröffentlicht auf 22 September 2011 um 15:08

Die diversen zum Teil an Dümmlichkeit kaum zu überbietenden Wortspenden auch höchster Politiker aus ganz Europa über die „faulen“ und “sparunwilligen” Griechen können nicht unwidersprochen bleiben.

Ich habe seit 16 Monaten einen Zweitwohnsitz in Athen und erlebe die dramatische Situation vor Ort. Man beklagt, dass die Sparpläne nicht greifen, weil die Steuereinnahmen sinken. Der Sparwille der Griechen wird infrage gestellt. Welche Überraschung! Hier einige Fakten:

• Lohnkürzungen und Pensionskürzungen bis zu 30 Prozent.

• Senkung des Mindestlohns auf 600 Euro.

• Drastische Verteuerungen (Heizöl +100 Prozent; Benzin +100 Prozent, Strom, Heizung, Gas, öffentliche Verkehrsmittel +50 Prozent) in den letzten 15 Monaten.

• Ein Drittel der 165.000 Handelsbetriebe hat zugesperrt, ein Drittel kann die Löhne nicht mehr bezahlen. Zigtausendfach sieht man in Athen das gelbe Schild mit roter Schrift “Enoikiazetai” – “Zu vermieten”.

• In dieser Misere bricht der Konsum (die griechische Wirtschaft war immer stark konsumorientiert) dramatisch ein. Lesen Sie den ganzen Artikel auf der Website der Presse…

Aus Athen

Griechische “Opfer auf dem Altar der Troika”

“Auf dem Altar der Troika” (EU-Kommission/EZB/IWF) werden “immer die gleichen geopfert”, kommentiert Ta Nea die neuen Maßnahmen zum Schuldenabbau. Um den Staatsbankrott zu vermeiden und die sechste Rate des Rettungspakets zu erhalten, musste die Regierung am 21. September neue Haushaltskürzungen beschließen. Diesmal sind “die Renten und Gehälter von 30.000 Beamten” betroffen, die bis Ende des Jahres befristet arbeitslos sind. Darüber hinaus wird die untere Steuergrenze herabgesetzt, berichtet die Tageszeitung aus Athen. Bei den Griechen löst dieses neue Sparprogramm große Verärgerung aus: Am 22. September streiken die Gewerkschaften der Taxifahrer und öffentlichen Verkehrsmittel. Lehrer, Gemeindepersonal und Fluglotsen werden es ihnen nachmachen. Am 5. Oktober wird dann der öffentliche Dienst seine Arbeit niederlegen und für den 19. Oktober wurde ein Generalstreik angekündigt.

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