Frankfurter Rundschau vom 1. Februar 2010

Ein unmoralisches Angebot

Veröffentlicht am 1 Februar 2010
Frankfurter Rundschau vom 1. Februar 2010

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Im letzten Jahr spielte Hervé Falciani den französischen Behörden eine Liste mit 3000 französischen Steuerflüchtlingen zu. Jetzt versucht er sein Glück auch in Deutschland. Der ehemaligen HSBC-Informatiker bietet den Berliner Steuerbehörden eine CD-Rom mit den Namen von rund 1300 Deutschen an, die ihr Geld in der Schweizer Filiale der britischen Großbank versteckt halten. Gegen 2,5 Millionen Euro für Falciani kann Berlin somit hoffen, seine leeren Staatskassen mit zwischen 100 und 200 Millionen Euro anzufüllen. "Aber darf der Staat das? Darf er sich wie ein Hehler verhalten, der gestohlene Ware kauft? Dürfen illegal gehandelte Daten in einem rechtsstaatlichen Prozess verwendet werden? Oder umgekehrt gefragt: Muss der Staat ohnmächtig zusehen, wenn gierige Großverdiener ihr Geld ins Ausland verschieben und die Gemeinschaft um 100 Millionen Euro betrügen", fragt die Frankfurter Rundschau. Wie der Großteil der Presse meint auch sie, dass der Fiskus in einer Art Notwehr handeln müsse, um das Geld zu bekommen, das ihm zustehe.

Seit den 1980er Jahren und der Finanzialisierung der Wirtschaft haben uns die Akteure der Finanzwirtschaft gelehrt, dass sich hinter jeder Gesetzeslücke eine kurzfristige Gewinnmöglichkeit verbirgt. All das und mehr diskutieren wir mit unseren Investigativ-Journalisten Stefano Valentino und Giorgio Michalopoulos. Sie haben für Voxeurop die dunklen Seiten der grünen Finanzwelt aufgedeckt und wurden für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet.

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