Data Nachhaltigkeitsziele und die EU

Die EU hinkt bei der Gleichstellung der Geschlechter und beim Klimaschutz hinterher

Soeben hat Eurostat den Bericht 2020 über die von der EU erzielten Fortschritte bei der nachhaltigen Entwicklung veröffentlicht. Die Ziele, die nur ungenügend erreicht worden betreffen insbesondere Frauen.

Veröffentlicht auf 14 Juli 2020 um 10:29

Nachhaltige Entwicklung ist noch lange keine Wirklichkeit, schon gar nicht wenn es um Frauenrechte und Klimaschutz in Europa geht. Das zeigen die jüngsten Eurostat-Daten, laut denen die Nachhaltigkeitsziele (english: sustainable development goals - SDG) in den letzten fünf Jahren nur teilweise erreicht wurden.

„Dieser Bericht, der die Fortschritte bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele in der EU darstellt, ist unser jüngster Beitrag in der Debatte über die Gestaltung Europas und der Welt im Jahr 2030 und darüber hinaus, über die Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, um sie zu erreichen“, erklärte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Im Allgemeinen hat die EU gute bzw. mäßige Fortschritte gemacht. Das Ziel Nr. 5 der nachhaltigen Entwicklung „Gleichstellung der Geschlechter“ und das Ziel Nr. 13 „Klimaschutz“ wurden jedoch vernachlässigt.

Bei der Umsetzung des  Ziels Nr. 13  wurden in den letzten fünf Jahren keine Fortschritte registriert, während sich die EU beim Ziel Nr. 5 von den Zielen der nachhaltigen Entwicklung entfernt hat.

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„Wenn es um die Gleichstellung von Frauen und Männern geht, bleiben noch viele Herausforderungen bestehen“, kommentiert das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen. „Zum Beispiel das geschlechtsspezifische Lohngefälle, die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit oder Erfahrungen mit geschlechtsspezifischer Gewalt, um nur einige zu nennen“.

Sie fügen hinzu, dass in den letzten Jahren auch neue Herausforderungen entstanden sind, darunter die Digitalisierung, die jüngsten Migrationsströme und eine zunehmende Verschlechterung bei der Gleichstellung der Geschlechter. „Die verschiedenen Faktoren, die diese Ungleichheiten verstärken, sind oft komplex und kontextspezifisch. Sie umfassen typischerweise einige grundlegende Geschlechterstereotypen, nämlich die geschlechtsspezifische Natur sozialer Praktiken/Strukturen/Forschung/Politiken, Ungleichgewichte der Macht und Chancen.“

Bei der Vorstellung des Berichts meinte Gentiloni: „Es ist ermutigend festzustellen, welche Fortschritte bei der Vertretung von Frauen in den nationalen Parlamenten erzielt wurden  – von etwas mehr als 20% zur Jahrtausendwende auf 32,1% im vergangenen Jahr – aber eines ist klar: Ein langer Weg liegt noch vor uns.

Dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen zufolge gibt es eine Verbindung zwischen diesen beiden Zielen: „Die Menschen, die den Folgen des Klimawandels am stärksten ausgesetzt sind, sind aufgrund der nach wie vor ungleichen Stellung in der Gesellschaft häufig Frauen. So sind z. B. alleinstehende Frauen (insbesondere ältere Frauen mit niedrigen Renten), alleinerziehende Mütter und weiblich geführte Haushalte unverhältnismäßig stark von Energiearmut betroffen, welche durch klimapolitische Maßnahmen noch verschärft werden kann“.

In der Umweltpolitik, der Umweltplanung und bei der Umsetzung von Umweltprojekten oder auch in Schlüsselsektoren wie Energie, Verkehr, Wasser, Abfall, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei sind Frauen auch nach wie vor unterrepräsentiert. „Das niedrige Niveau der Geschlechterdiversität im Energiesektor wird als innovationshemmend angesehen. Es schränkt die Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels ein“, stellt das Institut fest.

Andererseits wurden in Bereichen wie Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit gute Ergebnisse erzielt.

Die Daten zeigen, dass die Mitgliedstaaten im Allgemeinen grosse Fortschritte bei der Umsetzung des 16. Ziels „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ und gute (wenn auch langsamere) Fortschritte bei der Umsetzung des 1. Ziels „Keine Armut“, des 3. Ziels „Gesundheit und Wohlbefinden“, des 2. Ziels „Null Hunger“ und des 8. Ziels „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ erzielt haben.

Die aktuelle Coronavirus-Krise bringt nichtsdestotrotz einige Chancen für die Zukunft mit sich. Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen hebt einige spezifische Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern hervor, wie z. B. die geschlechtsspezifische Gewalt, unbezahlte Pflege, und Geschlechterdiskriminierung in einigen Branchen. „Wir hoffen, dass  die Politiker sich stark einsetzen werden, damit die Kluft zwischen Frauen und Männern geschlossen wird“.

Ähnlich sollte der grüne Deal der EU in der Lage sein, die gegenwärtigen Herausforderungen ehrgeizig anzugehen. 
„Während wir die dramatischen Auswirkungen der Pandemie bekämpfen, dürfen wir globale Herausforderungen wie den Klimawandel, den Verlust der biologischen Vielfalt und die wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit nicht aus den Augen verlieren“, fügte Gentiloni am 22. Juni hinzu. „Die Umsetzung von Politiken zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele stellt unsere Strategie zu einer besseren Welt dar. Und Europa muss diesbezüglich an vorderster Front stehen“.

Daten: https://ec.europa.eu/eurostat/web/sdi/climate-action

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