Europa im „nuklearen Notstand“

Veröffentlicht auf 31 März 2011 um 11:08

Nach der Havarie im Atomkraftwerk von Fukushima und mit der steigenden Angst vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln aus Japan, hat die EU-Kommission beschlossen, für drei Monate die EU-Grenzwerte für die Strahlenbelastung von importierten Lebensmitteln... zu erhöhen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Der Grenzwert für radioaktives Cäsium 134 und 137 betrug bis dato 370 Becquerel pro Kilogramm bei Milchprodukten und 600 Bequerel pro Kilogramm bei allen anderen Produkten. Die Grenzwerte wurden auf respektive 1000 und 1250 Becquerel erhöht. Für diese Entscheidung hat die Kommission die seit 1987 ruhende Verordnung „für nukleare Unfälle oder andere radioaktive Notstände“ (auch „Schubladen-Verordnung“ genannt) aktiviert, die nach Tschernobyl geschaffen wurde. Experten versichern zwar, dass die Erhöhung der Grenzwerte von 370 auf 1000 Becquerel gesundheitlich unbedenklich sei, doch die Verbraucher sind verunsichert, schreibt die Tageszeitung aus Bayern. „Mit dem Inkrafttreten wurde de facto der nukleare Notstand für die EU ausgerufen“ sagte dem Blatt ein Foodwatch-Sprecher, eine Verbraucherorganisation, die sich für einen Importstopp für aus Japan kommende Lebensmittel ausspricht. Europa bezieht lediglich 0,1 Prozent seiner Nahrungsmittel aus Japan. „Europäische Gremien, die in der Regel eher für zu langsames Arbeiten gescholten werden, müssen sich im Moment eines ganz neuen Vorwurfes erwehren - nämlich dessen, überhaupt zu handeln.“

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