Europas Zukunft liegt im Süden

Seit Beginn der Euro-Krise gilt die Mittelmeerregion vielen nur noch als Krisenherd. Welch enormer Irrtum, schreibt der deutsche Kulturwissenschaftler Claus Leggewie.

Veröffentlicht auf 18 Oktober 2012 um 15:22

"Wenn wir von menschlicher Vervollkommnung träumen, vom Stolz und Glück der Humanität, dann wendet sich unser Blick dem Mittelmeer zu", hat der französische Historiker Georges Duby einmal gesagt. Das war einmal. Inzwischen möchten viele die Pigs, wie Portugal, Italien, Griechenland und Spanien despektierlich genannt werden, lieber heute als morgen loswerden. Im Süden gärt die entsprechende "Los von Brüssel"-Stimmung.

Die europäische Peripherie von Portugal über die nordafrikanischen Staaten bis nach Griechenland gilt als Bedrohungszone, fast wie der Ostblock im Kalten Krieg. Im Süden, einst eine politische Himmelsrichtung, die heitere Assoziationen weckte, orten Politiker und öffentliche Meinung heute die größten Sicherheitsrisiken: islamistischen Terror, Euro-Crash und Flüchtlingswellen.

"Mare nostrum" nannten die Römer auf dem Höhepunkt ihrer imperialen Ausdehnung an allen Küsten des Mittelmeers "ihr" damit entstandenes "Binnenmeer", das sie als Seemacht kontrollierten und wirtschaftlich ausbeuteten. "Unser Meer" hieße heute, den Süden ohne imperiale Attitüden und ohne eine von Kurzfristdenken beherrschte Nutzungsambition als historischen Kern Europas zu rehabilitieren. Und dort ein ebenso zeitgemäßes wie zukunftsfähiges Friedens- und Entwicklungsprojekt aufzulegen.

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Aus Sicht des Südens

Die „PIGS“ tragen zur Überwindung der Krise bei

Während Il Sole 24 Ore stolz berichtet, dass die „Fakten der populistischen Redekunst des Nordens widersprechen, der immer wieder vom ‚faulen’ Süden spricht“, werden sich die „streng sparsamen“ und die „verschwenderischen“ Länder beim Treffen des Europäischen Rates am 18. und 19. Oktober zum x-ten Mal gegenüberstehen. Das Wirtschaftsblatt aus Mailand setzt also auf die Zahlen

der vergangenen zwei Jahre: Das durchschnittliche Defizit der Euro-Zone konnte von 6,5 Prozent des BIP auf 3,2 Prozent reduziert werden. Die Schuldenlast liegt inzwischen also unter der 92-Prozent-Marke. In den vergangenen acht Monaten konnte die Handelsbilanz [d. h. die Differenz von Exporten und Importen] dank der sich erholenden Exporte aus dem Mittelmeerraum von einem 27 Milliarden Euro betragenden Defizit auf einen Mehrertrag von 47 Milliarden gebracht werden. Das ist insbesondere Griechenland, Spanien und Italien zu verdanken.

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