Eurovision 2026 Maarten Wolterink

Gaza in Wien beim Eurovision Song Contest

Veröffentlicht am 19 Mai 2026
Eurovision 2026 Maarten Wolterink

Ist der Eurovision Song Contest zu politisch? Dieses Jahr ging der europäische Musikwettbewerb am 16. Mai zu Ende. Dank der Publikumsstimmen triumphierte die bulgarische Künstlerin DARA und ließ Israel auf Platz zwei und Rumänien auf dem dritten Rang hinter sich. An dem Finale hatten insgesamt 24 Länder teilgenommen.

Trotz sinkender Zuschauerzahlen verfolgen weiterhin Millionen von Menschen das kitschige Spektakel, das seit Jahren auch zur politischen Bühne geworden ist. Aufgrund der Teilnahme Israels vor dem Hintergrund des Krieges im Gazastreifen und des rasanten Rechtsrucks der Regierung von Benjamin Netanjahu gab es dieses Jahr jedoch einen bisher nie dagewesenen Protest gegen die Veranstaltung.

Mehrere europäische Länder boykottierten den Wettbewerb und manche Sender weigerten sich, ihn zu übertragen. Kommentare des israelischen Senders KAN, Interventionen von Politikern wie dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog oder Bundeskanzler Friedrich Merz zur Verteidigung der Teilnahme des Staates Israel sorgten für Kontroversen. In Wien herrschte ein außergewöhnliches Sicherheitsaufgebot zur Absicherung der aus diesem Anlass organisierten Gegendemonstration… Dem Song Contest fällt es zunehmend schwer, seine „unpolitische“ Positionierung aufrechtzuerhalten.

Der vom Wettbewerb vertretene Neutralitätsanspruch wurde in der Vergangenheit auch schon gebrochen, wie beim Ausschluss von Belarus im Jahr 2021 im Zuge der Anti-Lukaschenko-Demonstrationen, dem Russlands im Jahr 2022 oder beim Sieg der Ukraine im Jahr 2022.

In Bulgarien wurde der Sieg von DARA mit Begeisterung aufgenommen. Das Land wird nächstes Jahr Gastgeber des Events sein, das sich im Laufe der Zeit dank seiner selbstbewussten Camp-Ästhetik und der auf der Bühne gewährten Meinungsfreiheit für LGBT+-Personen zu einem „sicheren Ort“ für queere Gemeinschaften in Europa (und darüber hinaus) entwickelt hat. Im nach wie vor konservativen Bulgarien könnte die Organisation des Wettbewerbs diesbezüglich einiges ins Wanken bringen. Gar nicht so unpolitisch, wenn man es recht bedenkt.

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