Europa steht vor einer feurigen, dystopischen Zukunft. In den vergangenen Tagen mussten 220.000 Menschen ihre Häuser und Hotels verlassen, um den Bränden im französischen Département Gironde im Südwesten des Landes zu entkommen, wo 42.000 Hektar Wald zu Asche wurden. Im weiter südlich gelegenen Département Landes wurden weitere 37.000 Menschen evakuiert. Dort hatte ein Waldbrand 3.600 Hektar Land zerstört. In Spanien richtete die Regierung eindringliche Hilfsappelle an die EU, weil es westlich von Madrid sowie in den Provinzen Ávila und Guadalajara zu besonders schweren Bränden gekommen ist. Nach Angaben der Behörden wurden dieses Jahr bereits mehr als 110.000 Hektar bei 29 Bränden zerstört; mindestens zwölf Menschen kamen ums Leben.
In Südnorwegen „verschlang“ ein Waldbrand mehr als hundert Häuser sowie ein bewaldetes Gebiet in der Stadt Drammen. Gleichzeitig wurden im Süden Portugals 13.500 Hektar durch einen gewaltigen Waldbrand zerstört, der Anfang Juli in der Stadt Vouzela ausbrach und die Regierung dazu veranlasste, europäische Unterstützung bei den Löscharbeiten anzufordern. Zur selben Zeit kamen bei einem Brand in Oreokastro im Norden Griechenlands zwei Menschen ums Leben, während die Feuerwehr erneut in den Regionen Evia, Attiki und Chios eingreifen musste, die erst vor Kurzem von schweren Waldbränden betroffen waren.
Im Rahmen des ChatEurope Projekts hat das Mediterranean Institute for Investigative Reporting (MIIR) den zunehmend besorgniserregenden Anstieg der Waldbrände untersucht. Das European Data Journalism Network, zu dem auch Voxeurop gehört, war an dieser Studie beteiligt.

Anhand der Daten des European Forest Fire Information System (EFFIS) konnten die zunehmenden Auswirkungen von Waldbränden auf dem europäischen Kontinent in den vergangenen zehn Jahren dokumentiert werden. In der aktuellen Studie wurden nahezu 24.000 von EFFIS erfasste Brände in 26 Ländern während der Waldbrandsaison (April bis Oktober) zwischen 2015 und 2025 berücksichtigt. Dabei zeigte sich, dass die Waldbrände europaweit mindestens 4,5 Millionen Hektar Land verwüsteten – eine Fläche, die größer ist als Estland.
Die tatsächlich verbrannte Fläche dürfte sogar noch größer sein, da die von EFFIS erfassten Brände nur rund 95 % der auf nationaler Ebene gemeldeten Gesamtbrandflächen ausmachen. Kleinere Brände, die unterhalb der Erkennungsschwelle der Satelliten liegen, wurden nicht berücksichtigt.
Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass große Waldbrände seit 2021 häufiger auftreten. Sie konzentrieren sich auf eine begrenzte Zahl von Regionen, erfassen überwiegend Buschland und Übergangswälder, entstehen hauptsächlich in ländlichen Gebieten und betreffen immer wieder dieselben geschützten Natura-2000-Gebiete.
Immer mehr extreme Waldbrände
„Es war ein unglaublich großer Brand, der sich immer weiter ausbreitete, und niemand konnte ihn aufhalten. Die Feuerwehrleute haben Übermenschliches geleistet, doch das Feuer ließ sich einfach nicht stoppen. Erst als es das Meer erreichte, konnte es gelöscht werden. Dort befand sich mein Betrieb und dort ist auch mein Lager abgebrannt. Es ist ein Wunder, dass niemand ums Leben gekommen ist“, erinnert sich Sotiris Theodorou, Inhaber eines Cateringunternehmens in Limnia bei Volissos auf der griechischen Insel Chios.

Nach Ausbruch des Feuers in Amani auf Chios im vergangenen August verbrannten innerhalb von nur fünf Tagen rund 7.914 Hektar Waldfläche auf der Insel. Betroffen waren vor allem Natura-2000-Gebiete, landwirtschaftliche Flächen, Viehbetriebe, Wohnhäuser und Unternehmen. Was Theodorou dem MIIR über den Brand von Amani berichtet, ist beispielhaft für ein Phänomen, mit dem die Europäerinnen und Europäer zunehmend konfrontiert sind: extreme Brände und Megabrände.
Zwischen 2015 und 2025 wurden in Europa 134 außergewöhnlich große Waldbrände mit einer Ausdehnung von jeweils mehr als 5.000 Hektar registriert, darunter 61 Megabrände, die eine Fläche von über 10.000 Hektar erreichten. Diese Begriffe beziehen sich nicht nur auf die verbrannte Fläche, sondern auch auf das extreme Brandverhalten (hohe Intensität und schnelle Ausbreitung). Den EFFIS-Daten zufolge traten Megabrände ausschließlich in Südeuropa auf: 25 in Spanien, 24 in Portugal, acht in Griechenland, zwei in Frankreich sowie jeweils einer in Italien und auf Zypern.
Brände dieses Ausmaßes waren bis 2020 vergleichsweise selten – mit Ausnahme des Jahres 2017, als Portugal von verheerenden Waldbränden heimgesucht wurde. Mit 26 registrierten extremen Waldbränden war dies eines der schlimmsten Jahre in der europäischen Geschichte. Danach änderte sich das Bild drastisch: 13 extreme Waldbrände im Jahr 2021, 22 im Jahr 2022, 9 im Jahr 2023, 11 im Jahr 2024 und 18 im Jahr 2025.
Auch die drei verheerendsten Megabrände der vergangenen fünf Jahre ereigneten sich im Mittelmeerraum: auf der griechischen Insel Evia, wo 2021 insgesamt 51.881 Hektar in Flammen aufgingen, in der spanischen Provinz Zamora, wo 2022 mehr als 60.000 Hektar verbrannten, sowie 2023 in der nordgriechischen Region Evros, wo 96.610 Hektar zerstört wurden. Bis heute handelt es sich dabei um den größten Waldbrand, der jemals vom EFFIS in Europa erfasst wurde.
Megabrände gehen Hand in Hand mit dem Klimawandel
Nach Daten von Copernicus war 2025 das dritt wärmste jemals in Europa gemessene Jahr. Die Durchschnittstemperatur lag um 1,17 °C über dem Mittelwert des Zeitraums zwischen 199 und 2020. Weltweit lagen die Temperaturen lediglich 0,01 °C unter dem Niveau von 2023 und 0,13 °C unter jenem von 2024, das weiterhin als das wärmste jemals aufgezeichnete Jahr gilt. Die Folgen steigender Temperaturen und extremer Wetterereignisse wirken sich erheblich auf die Entwicklung von Waldbränden aus: 2025 ereignete sich die zweitschwerste Waldbrandsaison in der Geschichte Europas – mehr als 900.000 Hektar Land fielen den Flammen zum Opfer.
Allein in Spanien verbrannten im vergangenen Jahr fast 400.000 Hektar, womit das Land seine schlimmste Waldbrandsaison seit 30 Jahren erlebte. Fast 89 % der gesamten verbrannten Fläche entfielen auf nur drei Regionen – Castilla y León, Galicien und Extremadura (im Westen Spaniens) –, in denen einige der ländlichsten und am stärksten von Entvölkerung betroffenen Gemeinden liegen. Acht Menschen kamen ums Leben, mehr als 42.000 Einwohnerinnen und Einwohner mussten ihre Häuser verlassen.
„Im Nordwesten der Iberischen Halbinsel – in Galicien, Asturien und Portugal – ist die Zahl der Brände enorm hoch: Jedes Jahr sind es Tausende. Sie beschränken sich längst nicht mehr auf die Sommermonate, sondern dauern bis weit in den Herbst hinein; große Flächen brennen noch im Oktober und November“, erklärt Adrián Regos, Postdoktorand am staatlichen Rechercheinstitut MBG-CSIC in Spanien.
„Die Menschen haben die Dörfer verlassen, sodass die Wälder nicht mehr von den Gemeinschaften bewirtschaftet werden. Die Beweidung ist zurückgegangen, ebenso die Harzgewinnung, die Holzwirtschaft und andere traditionelle Nutzungsformen. Dadurch hat sich die Menge an brennbarem Material in den Wäldern erhöht” – Ioannis Mitsopoulos
Nach Ansicht von Thierry Gauquelin, Ökologe und Professor am Mediterranean Institute of Biodiversity and Marine and Continental Ecology der Universität Aix-Marseille, könnte der Klimawandel dazu führen, dass Waldbrände häufiger auftreten, intensiver werden und Regionen erfassen, die bislang davon verschont geblieben sind: „Während im Mittelmeerraum die Entstehung unkontrollierbarer Megabrände Anlass zur Sorge gibt, ist die Angst in den nördlichen Regionen Frankreichs sogar noch größer, da es dort keine vergleichbar lange Geschichte von Waldbränden gibt.“
Was brennt in Europa?
Nach Ansicht von Ioannis Mitsopoulos, Assistenzprofessor an der Fakultät für Forstwirtschaft und Umwelt der Aristoteles-Universität in Thessaloniki, gibt es einen weiteren entscheidenden Faktor für die Ausbreitung großflächiger Waldbrände: die Landflucht. „Die Menschen haben die Dörfer verlassen, sodass die Wälder nicht mehr von den Gemeinschaften bewirtschaftet werden. Die Beweidung ist zurückgegangen, ebenso die Harzgewinnung, die Holzwirtschaft und andere traditionelle Nutzungsformen. Dadurch hat sich die Menge an brennbarem Material in den Wäldern erhöht. In Verbindung mit dem Klimawandel sind so ideale Bedingungen für Waldbrände entstanden, die sich, wenn sie außer Kontrolle geraten, zu Megabränden entwickeln können. In Griechenland waren in den vergangenen 40 Jahren lediglich 4 bis 5 % aller Waldbrände für 70 bis 80 % der insgesamt verbrannten Fläche verantwortlich.“
Dies erklärt, weshalb der Großteil der zwischen 2015 und 2025 verbrannten Flächen aus Buschland, Grasland, sich regenerierenden Waldflächen sowie aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen bestand, die allmählich wieder von natürlicher Vegetation eingenommen wurden. Es handelte sich dabei um mehr als 2,6 Millionen Hektar, eine Fläche, die dreimal so groß ist wie die verbrannten geschlossenen Waldgebiete. Thodoris Giannaros vom Nationalen Observatorium Athen weist darauf hin, dass diese Gebiete offiziell als Wald eingestuft werden und ihr Abbrennen erhebliche ökologische Folgen hat.
Bislang haben nur wenige Länder – nämlich Tschechien, Schweden, Finnland und Slowenien – längere Phasen von Waldbränden in Gebieten verzeichnet, die überwiegend aus dichtem Baumbestand bestehen.

Die Analyse verdeutlicht außerdem die erheblichen Schäden, die Waldbrände in der Landwirtschaft verursacht haben. Mindestens 926.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche waren betroffen – mehr als ein Fünftel der insgesamt verbrannten Fläche.
Die betroffene landwirtschaftliche Fläche nahm nach 2020 deutlich zu und erreichte 2025 einen historischen Höchststand. Italien führt die Liste mit fast 260.000 Hektar verbrannter Agrarfläche im vergangenen Jahrzehnt an, gefolgt von Portugal (232.000 ha), Spanien (179.000 ha) und Griechenland (128.000 ha). Auch Bulgarien, Rumänien und Kroatien verzeichneten erhebliche Verluste in der Landwirtschaft.
Unsere Wälder brennen wieder
„Die Wiederkehr von Waldbränden ist vielleicht das größte Problem, mit dem wir derzeit konfrontiert sind. Ein stabiles mediterranes Ökosystem kann sich nach einem Brand auf natürliche Weise regenerieren. Wird es jedoch innerhalb von zwanzig Jahren zwei- oder dreimal vom Feuer erfasst, führt dies letztlich zu Degradation und Wüstenbildung“, erklärt Ilias Tziritis, Koordinator für Waldbrandmaßnahmen bei WWF Griechenland, gegenüber MIIR. „Die Region Nordost-Attika war bereits 2009 abgebrannt und wurde 2024 erneut von einem Großbrand erfasst. Dadurch wurden Sträucher und Bäume zerstört, die sich gerade in der Regenerationsphase befanden - ein erheblicher Verlust.“
Nach EFFIS-Daten, die vom Nationalen Observatorium Athen ausgewertet wurden, zerstörten 13 große Waldbrände in der Region Attika zwischen 2017 und 2025 mindestens 46.500 Hektar Wald. Das entspricht 38 % der gesamten Waldfläche rund um die griechische Hauptstadt.
Attika gehört außerdem zu den 20 Regionen, die in der MIIR-Analyse als „Hochrisikoregionen“ eingestuft werden. Dabei handelt es sich um jene europäischen Regionen mit den größten verbrannten Flächen, auf die zwischen 2015 und 2025 mehr als drei Viertel der gesamten verbrannten Fläche entfielen – und in denen auch künftig ein besonders hohes Risiko weiterer Großbrände besteht.
Zu dieser Gruppe zählen auch Mittelgriechenland, die Peloponnes sowie Ostmakedonien und Thrakien. Alle übrigen Regionen auf der Liste liegen ebenfalls in Südeuropa.
Die Herausforderung, Megabrände einzudämmen
„Waldbrände werden in ganz Europa immer heftiger und zerstörerischer – mit katastrophalen Folgen für unser Leben, die Umwelt und die Wirtschaft“, erklärte Jessika Roswall, EU-Kommissarin für Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft, im März. Im Juni kündigte die Europäische Kommission den Einsatz der „größten Waldbrand-Einsatztruppe aller Zeiten“ an, um die Mitgliedstaaten während der Waldbrandsaison zu unterstützen: 777 Feuerwehrleute, 22 Löschflugzeuge und 5 Hubschrauber sollen Ländern helfen, die besonders unter Druck stehen. Doch reichen diese Maßnahmen zur Brandbekämpfung aus?
Expertinnen und Experten sind sich einig, dass die größte Herausforderung heute in der zunehmenden Intensität der Waldbrände besteht. Auch meinen sie, dass dieses Problem ohne wirksame Präventionsmaßnahmen nicht zu bewältigen ist.
„Wir müssen endlich begreifen, dass Löschflugzeuge allein nicht ausreichen. Von jeweils 10 Euro, die wir ausgeben, fließen derzeit nur 3 Euro in die Prävention und 7 Euro in die Brandbekämpfung. Das muss sich ändern; wir sollten mindestens die Hälfte der Gelder in die Prävention stecken und die andere in Brandbekämpfung. Portugal hat bereits ein Verhältnis von 60 zu 40 zugunsten der Prävention erreicht und erzielt damit bessere Ergebnisse. Außerdem müssen wir die vorausschauende Einsatzplanung verbessern, damit wir den Brandherd innerhalb der entscheidenden ersten halben Stunde nach Eingang der Alarmmeldung erreichen können“, betont Ioannis Mitsopoulos, Professor an der Aristoteles-Universität Thessaloniki.
Nach Ansicht von Ilias Tziritis von WWF Griechenland besteht die Herausforderung im Mittelmeerraum darin, Waldbrände weniger zerstörerisch zu machen.
Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Finanzierung. Vor einem Jahr kritisierte der Europäische Rechnungshof (ECA) in einem Bericht die mangelnde Transparenz beim Umgang der Europäischen Kommission und der Mitgliedstaaten mit EU-Mitteln. Diese stammen größtenteils aus der Recovery and Resilience Facility (RRF) und werden für Prävention und Wiederherstellung nach Waldbränden eingesetzt. Zudem stellte der Rechnungshof fest, dass mehrere geförderte Projekte auf veralteten Daten beruhten und eine langfristige Planung vermissen ließen.
Insgesamt sind für den Zeitraum 2021 bis 2027 mindestens 3,5 Milliarden Euro für die Bekämpfung von Waldbränden in der Europäischen Union vorgesehen.
Die Waldbrände in Europa, wo es dieses Jahr bereits drei extreme Hitzewellen gab, haben laut EFFIS-Daten schon jetzt eine größere Fläche zerstört als der durchschnittliche Jahreswert der Vorjahre. Steigende Temperaturen und lang anhaltende Großbrände – nicht nur in Südeuropa, sondern zunehmend auch in Mittel- und Nordeuropa – deuten darauf hin, dass die Europäerinnen und Europäer künftig dauerhaft mit schweren Waldbränden und pyrometeorologischen Bedingungen konfrontiert sein werden, die weiterhin Menschenleben und Ökosysteme bedrohen.
👉 Den Originalartikel lesen. Die Scrollytelling-Präsentation des Projekts wurde von Krisztián Szabó (Atlatszo) erstellt.
🤝 Dieser Artikel erscheint in Zusammenarbeit mit dem European Data Journalism Network im Rahmen des ChatEurope-Projekts und wird unter einer CC BY-SA 4.0-Lizenz veröffentlicht. An diesem Projekt wirkten folgende Medienpartner mit: MIIR (Griechenland), Openpolis (Italien), Civio (Spanien), Voxeurop (Frankreich), European Correspondent (Belgien), The Journal (Irland) und Eurologus (Ungarn).

Schätzen Sie unsere Arbeit?
Dann helfen Sie uns, multilingualen europäischen Journalismus weiterhin frei zugänglich anbieten zu können. Ihre einmalige oder monatliche Spende garantiert die Unabhängigkeit unserer Redaktion. Danke!
