In Vukovar enden die Gedenkfeiern mit Übergriffen

Veröffentlicht auf 19 November 2013 um 14:39

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Die Festlichkeiten zum Gedenken an die kroatischen Opfer beim Fall der Stadt Vukovar entwickelten sich dieses Jahr zum politischen Skandal. Vukovar war am 18. November 1991 nach dreimonatiger Belagerung von der pro-serbischen jugoslawischen Armee erobert worden – heute, 18 Jahre nach Kriegsende, treten die tiefen Gräben innerhalb des Landes ans Tageslicht.

Nach Angaben von Jutarnji list versperrten Vereine von Kriegsveteranen Staatspräsident Ivo Josipović und Ministerpräsident Zoran Milanović, die beide am Ende der Prozession marschierten, den Zugang zur Feier. Unter dem gemeinsamen Namen „Schutz des kroatischen Vukovars“ protestierten sie gegen den Plan der sozialdemokratischen Regierung, an öffentlichen Gebäuden der Stadt auch Schilder in lateinischer und kyrillischer Schrift für Kroaten und Serben anzubringen.

Die Tageszeitung überschrieb das Bild der kroatischen Spitzenpolitiker auf ihrer Titelseite mit dem Wort „Gedemütigt“ und schreibt empört:

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Nirgendwo auf der Welt dürfen sich Kriegsveteranen an die Stelle der rechtmäßig gewählten Macht setzen: Die Armee muss von der Politik getrennt bleiben, sei es die nationale Armee oder die der Kriegsveteranen. Stützen sich Macht und politischer Einfluss auf kriegsbedingte Verdienste, so kann dies nur dazu führen, die Demokratie durch eine unrechtmäßige Machtübernahme zu ersetzen und ins Chaos zu stürzen.

Die Tageszeitung beschuldigt zudem den Parteichef der wichtigsten Oppositionspartei Kroatische Demokratische Union (HDZ), Tomislav Karamarko, der am Marsch der Kriegsveteranen teilnahm, „einen folgenschweren Plan zum Sturz der Regierung in Gang [zu] setzen“.

In Rijeka denken die Kollegen bei Novi List ähnlich, sie schreiben von einem „Staatsstreich“ und stellen fest:

Kroatien hat seit dem serbischen Angriff keine solche Demütigung erlebt.

24 Sata schließlich spricht von einer „unerhörten Schande“, sowohl...

... für das Komitee zur Verteidigung des kroatischen Vukovars [...] als auch für die Regierung, die durch ihren Rückzug gezeigt hat, dass sie schwach, unentschlossen und kleinmütig ist.

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