Tschechischer Star hat etwas gegen Europa - und gegen Grammatik

Veröffentlicht auf 29 Mai 2009 um 17:23

In Tschechien ist Vladimír Železný ein Star. Als Direktor des führenden tschechischen Privatsenders TV Nova wurde er in einem Rechtsstreit über die Missachtung von Urheberrechten belastet, der den tschechischen Staat 370 Millionen Euro kostete. Seit 2004 sitzt er nun für die Unabhängigen im EU-Parlament. Im Januar dieses Jahres begründete der Euroskeptiker dann die tschechische Version von Libertas, einer vom Milliardär Declan Ganley in Irland gegründeten Partei, ohne jedoch Ganleys Erlaubnis einzuholen.

Seit dem 13. Mai ist Železný zum Gespött der tschechischen Presse geworden. Für den Start der Libertas.cz-Kampagne hatte er auf einen Besuch von Ganley gehofft. Dieser reiste auch tatsächlich nach Prag, aber nur um sich dort mit seinem Freund Vaclav Klaus zu treffen – dem Staatspräsident, der sich weigert, das Gesetz zur Ratifizierung des Vertrags von Lissabon zu unterzeichnen. Aber es kam noch schlimmer: Als die Wahlplakate vorgestellt wurden, ernteten sie vorwiegend Gelächter.

Auf den Plakaten ist Vladimír Železný mit der Brille in der Hand abgebildet, was wohl den Eindruck von Intelligenz und Charisma erwecken sollte, jedoch vor allem narzisstisch wirkt. Und zur Krönung, so spottet die Tageszeitung Mlada Fronta Dnes, "sind die Plakate mit Grammatikfehlern gespickt, über die nicht nur Tschechischlehrer entrüstet sind".

"Wollen Sie, dass Sie unseren Europa-Kommissar bei der Wahl entscheiden? Ja? Die Lösung heißt Libertas." "Die Gegner des Vertrags von Lissabon halten sich für die größten Verfechter der Landesinteressen", ironisiert die DNES. Die Geschichte ist um so prickelnder, da Železný diese Slogans selbst verfasst hat. Der ehemalige TV-Star verwirft die Kritiken: Libertas.cz sei eine konservative Partei, die ablehne, was in den letzten 15 Jahren aus der tschechischen Sprache geworden sei. Die Akademie der Wissenschaften widerspricht Železný jedoch, bezeichnet seine Erklärungen als absurd, und versichert, dass sein Tschechisch grammatikalisch falsch ist.

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Durch dieses Missgeschick könnte Vladimír Železný, der kürzlich wegen Steuerhinterziehung zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, noch ein bisschen mehr von der Vertrauenswürdigkeit verlieren, die er als Moderator der Sendung *"*Rufen Sie den Direktor" erlangt hatte.

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