Schuld sind immer die anderen

Gierige Banken, die EU oder Angela Merkel: Die Suche nach dem Schuldigen in Zypern läuft entlang der üblichen Konfliktlinien der Eurokrise. Aber verantwortet nicht auch der Einzelne die Fehler der Gesellschaft mit? Dann müssten die Zyprer an ihr Erspartes.

Veröffentlicht am 21 März 2013

Philokypros Andreou, der Präsident der zypriotischen Industrie- und Handelskammer, spricht vom Krieg, „Es ist so, wie 1974, als die Türken einmarschierten! Das ist ein finanzieller Völkermord!“ rüpelte er in einem Interview mit der Zeitung Welt. „Unsere Finanzindustrie ist ruiniert worden! Merkel und Schäuble schaden unschuldigen Menschen!“

Völkermord. Aha. Auch die deutschen Medien lieben starke Worte. „Höchste Gefahr für das Vertrauen!“, „Neue Angst für Europa!“, „Steht jetzt ein Bankrun bevor?!“ So wird die Panik, vor der gewarnt wird, erst gemacht, natürlich in aller Unschuld: Wir wollen ja nur berichten!

„Ja, wir haben korrupte Banker und Politiker. Aber wir Zyprer sind das Opfer!“, sagt Andreou. Wirklich? Zypern hat einen bizarr aufgeblähten Bankensektor. Wenig Wirtschaft. Superniedrige Steuern. Wenn in meiner Gemeinde ständig Autobahnen, neue Häfen und tolle Fußgängerzonen gebaut werden, obwohl die Steuern niedrig sind und die Unternehmen flau, habe ich dann als normaler Bürger rein gar nichts damit zu tun?

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