Zwischenspiel: Atomdemo gegen den Castortransport aus Frankreich. Berlin, 25. Oktober 2010

Atomgegner dürfen nicht entgleisen

Dieses Wochenende rollen elf Wagons mit Atommüll von La Hague in Frankreich nach Gorleben in Deutschland und Atomkraftgegner, angeheizt von der Regierungspolitik, sind so stark wie nie zuvor. Das Wochenende wird entscheidend für die Zukunft der Anti-Atomkraftbewegung, meint die SZ.

Veröffentlicht am 5 November 2010
Zwischenspiel: Atomdemo gegen den Castortransport aus Frankreich. Berlin, 25. Oktober 2010

Sonderzüge, Hunderte Busse, Zigtausende Demonstranten: Das Wendland steht vor einem Protest-Wochenende wie seit den achtziger Jahren nicht mehr. Wer, auch innerhalb der Bundesregierung, gehofft hatte, die Anti-Atom-Bewegung könnte in den vergangenen zehn Jahren eingeschlummert sein, eingelullt durch verkürzte Laufzeiten und eine Pause im Salzstock Gorleben - weit gefehlt. Der Protest ist lebendig wie lange nicht, und er geht quer durch alle Schichten. Es sind nicht mehr notorische Nörgler in Wollsocken, die sich in Gorleben auf die Straßen setzen.

Darin liegt die Kraft dieses Widerstandes. Der Protest ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Atomdemos versammeln nicht mehr nur den Kampf gegen eine Risikotechnologie, sondern zugleich auch den für ein umweltfreundliches System der Stromerzeugung. Sie sind also patriotisch und letztlich äußerst bürgerlich. Das macht den Protest gefährlich selbst für die Union: Atomkritiker finden sich auch in ihren Reihen, und es sind nicht einmal so wenige. Andere wenden sich den Grünen zu und verhelfen denen zu demoskopischen Rekorden.

Genau deshalb aber wird das kommende Wochenende entscheidend für die Zukunft der Anti-Atom-Bewegung. Zum Originalartikel der Süddeutschen Zeitung...

Meinung

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Gute Gründe für Protest

„Die schönsten Atomklos der Welt“, witzelt die taz über die Atommüllendlager für die Abfälle aus den 441 heute weltweit aktiven Reaktoren. Deutschland habe diese Frage zu lange vor sich her geschoben, indem es sich willkürlich und gegen den Rat der Wissenschaft für den Salzstock im norddeutschen Gorleben entschied. Weiter habe die Regierung durch die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke den anzufallenden Atommüll um mehr als ein Drittel vermehrt. Aus diesem Grund verteidigt die alternative Tageszeitung die Protestierenden, die nach „weniger neue[m] Atommüll“ verlangen. Am 4. November schlug EU-Energiekommissar Günther Oettinger eine Richtlinie vor, laut welcher die Länder insbesondere Programme vorlegen müssen, in welchen sie angeben, wann, wo und wie sie Endlager einrichten wollen.

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