"Erinnern wir uns!" titelt die Magyar Hírlap, die den zwanzigsten Jahrestag dieses für Europas Geschichte wesentlichen Tages zelebriert. Die ungarische Tageszeitung zitiert auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die mit dem schwedischen Außenminister Carl Bildt in Sopron erwartet wurde: „Deutschland wird dem ungarischen Volk, das weitsichtigen Mut bewies ohne etwas dafür zu verlangen, immer dankbar sein. "Etliche der rund 600 ehemaligen DDR-Bürger, die die vorübergehende Öffnung der Grenze während des Picknicks zur Flucht in den Westen genutzt hatten, waren ebenfalls eingeladen", so berichtet die Magyar Hírlap weiter: "Die Deutschen sehen in dem paneuropäischen Picknick den Schlüssel zur Wiedervereinigung. Sie werden sich hier wie zuhause fühlen, denn in Sopron sind Wegweiser und Straßennamen in den beiden Sprachen deutsch und ungarisch beschriftet."

"Ein paneuropäisches Picknick riss den Eisernen Vorhang nieder", schreibt die rumänische Tageszeitung Adevarul. An diesem Tag hat Budapest "Moskau getestet", heißt es hier, mit der Anmerkung, dass die Öffnung nicht nur ideologische Motivationen hatte: "Die finanziellen Gründe waren nicht unbeträchtlich, da die Ungarn regelmäßig die 246 Kilometer Stacheldraht erneuern mussten, was ihnen zu teuer kam!" Das Grillfest mit "Bratwurst und Bier" sollte das auslösen, was heute noch als "die Massenflucht der Ostdeutschen" bekannt ist, so die Adevarul weiter, die auch mitteilt, dass nach diesem Tag über 50.000 DDR-Bürger in den Westen flüchteten, bevor am 9. November dann die Mauer fiel.

"Von Anfang an war das nicht so geplant", erzählt Walburga Habsburg Douglas dem Wiener Standard. Sie hatte mit Otto von Habsburg an der Veranstaltung des Picknicks mitgearbeitet. Die Wiener Tageszeitung erklärt, dass ihr Vater die Kontakte mit der ungarischen Regierung geknüpft hatte. Walburga selbst hatte Flugblätter bis an den Plattensee verteilen lassen, eines der Hauptreiseziele der Ostdeutschen. "Die haben schon drauf gewartet, dass sich eine Möglichkeit bietet. Es war aber von Anfang nur als symbolisches Zeichen geplant, dass Ungarn irgendwie zu Europa gehört. Ich hab mir schon gedacht, das könnte der Beginn von so etwas sein."

Die Süddeutsche Zeitung ihrerseits beschreibt den "Held jenes Tages": Hauptmann Árpad Bella, der für den ungarischen Grenzposten verantwortlich war. Der ungarische Grenzer "wollte nicht mehr Gefängniswärter spielen und ließ DDR-Flüchtlinge durch den schon brüchigen Zaun." Und doch verfluchte Bella an jenem Tag sein Schicksal. Denn, so die Londoner Times, "seltsamerweise, oder vielleicht auch nicht, waren seine Vorgesetzten an dem Tag abwesend. Der Kommandant des Grenzpostens war in Urlaub in der Sowjetunion und sein Vize war nicht aufzufinden."

"Mir war klar, aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich für Monate oder Jahre im Gefängnis landen", erzählte Bella der Süddeutschen Zeitung, doch "sein Pragmatismus siegte": Er "ließ die freiheitsdurstigen Deutschen laufen", und er war auch derjenige, der die österreichischen Kollegen überzeugte, Einschreiten bringe nur Unglück.

In Wirklichkeit, so die spanische ABC, "ließ man sie flüchten", denn seit mehreren Monaten lautete die Weisung der ungarischen Regierung, man solle "laufen lassen", nicht ohne stillschweigende Zustimmung aus Moskau. Budapest "war somit von der offiziellen Richtlinie der Ostblockländer abgewichen, zum großen Missfallen von DDR-Oberhaupt Erich Honecker". Die spanische Tageszeitung zitiert zur Untermauerung die Äußerung des damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Miklos Nemeth: "Es ging darum, zu überprüfen, ob Michail Gorbatschow im März die Wahrheit gesagt hatte oder ob die Sowjetunion reagieren würde, indem sie den in unserem Land stationierten Truppen den Befehl zur Intervention gab."