Angela Merkel in den Büros der DDR-Oppositionsbewegung Demokratischer Aufbruch im Herbst 1989.

Das clevere Mädchen aus dem Osten

Woher kommt Angela Merkel? Wie hat sich ihr politisches Denken entwickelt? Diese Fragen stellen sich derzeit viele Europäer. Wenige Monate vor den Bundestagswahlen suchen zwei deutsche Biografen den Schlüssel ihres Erfolges in ihrer DDR-Vergangenheit.

Veröffentlicht auf 15 Mai 2013 um 14:53
© Bundesregierung  | Angela Merkel in den Büros der DDR-Oppositionsbewegung Demokratischer Aufbruch im Herbst 1989.

Ein in dieser Woche erscheinendes Buch der Journalisten Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann mit dem Titel Das erste Leben der Angela M. fördert Erkenntnisse über Merkels Verhältnis zur DDR-Diktatur zutage. Entgegen Merkels eigener Beteuerung, das SED-System stets innerlich abgelehnt zu haben, glauben die Autoren belegen zu können, dass ihre Rolle in der DDR wie auch in den Wendejahren komplexer und für die Kanzlerin weniger schmeichelhaft war, als es die gängige Legende besagt.

Dieser zufolge hat sich Angela Merkel, von ideologischer Indoktrination unberührt, stets nach einer Demokratie bundesdeutschen Zuschnitts gesehnt und die DDR-Jahre in einer Art innerem Exil überstanden. Diese Legende stützt sich nicht zuletzt auf die Vorstellung, Merkels protestantischer Familienhintergrund als Pastorentochter habe sie vor den Versuchungen und Illusionen der sozialistischen Staatsdoktrin bewahrt. Ein näherer Blick auf diesen Hintergrund ergibt jedoch ein deutlich anderes Panorama der Verstrickung evangelischer Theologen, darunter auch von Merkels Vater, in das DDR-System.

Merkel wird am 17. Juli 1954 als Angela Kasner in Hamburg geboren. Ihr Vater Horst Kasner, Pfarrer von Beruf, [der 1954 mitsamt seiner Familie in die sowjetische Besatzungszone übersiedelte] gehörten zu jenem Kreis von Theologen, mit denen die sowjetisch kontrollierte DDR-Führung ihre kirchenpolitische Konzeption umsetzen wollte. Und so gründeten Theologen, die im Sozialismus eine echte Alternative zum westlichen Kapitalismus sahen, 1958 in Prag die Christliche Friedenskonferenz (CFK). Kasner kam nicht nur zur CFK, sondern auch zum Weißenseer Arbeitskreis, dessen Leiter, CFK-Mann Hanfried Müller, beste Kontakte ins SED-Politbüro besaß.

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