"Die Leute haben das einfach verlernt", sagt Ladislav Špaček der Süddeutschen Zeitung. Darum gibt er Nachhilfe. Nicht in Tschechisch, wie man es von einem ehemaligen Dozenten für Sprachgeschichte erwarten könnte. Sondern darin, wie man sein Besteck richtig hält. Spacek lehrt Etikette. Nötig ist das im tschechischen Alltag, in dem ein "rauer Ton" herrscht und politische Auseinandersetzungen von "maßloser Feindseligkeit und Grobheiten" bestimmt sind – und zwar aus Tradition. "Im Kommunismus war [die Höflichkeit] eine verfemte Disziplin", schreibt Korrespondent Klaus Brill.
Das Interesse proletarischer Bürokraten und Blockwarte für den am Königshofe Ludwigs XIV. geprägten richtigen Umgangston habe sich in Grenzen gehalten. Dennoch – und der handküssende beliebteste Politiker des Landes, Karl Fürst zu Schwarzenberg sei das beste Beispiel hierfür – blieben auch in Tschechien "fundamentale Reste alter Sitte vorhanden". Špaček muss also keineswegs auf einen Knigge zurückgreifen, und hat prominente Erfolge zu verzeichnen, aus seiner Zeit als Pressechef von Vaclav Havel. Der "kam zwar am Anfang manchmal noch im Pullover in die Prager Burg und verschwand gelegentlich in der Kneipe, später wurde er zum perfekten Gentleman."
Seit den 1980er Jahren und der Finanzialisierung der Wirtschaft haben uns die Akteure der Finanzwirtschaft gelehrt, dass sich hinter jeder Gesetzeslücke eine kurzfristige Gewinnmöglichkeit verbirgt. All das und mehr diskutieren wir mit unseren Investigativ-Journalisten Stefano Valentino und Giorgio Michalopoulos. Sie haben für Voxeurop die dunklen Seiten der grünen Finanzwelt aufgedeckt und wurden für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet.
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