Frank Stronach, der große Vereinfacher

Mit der Wahl von zwei Landtagen beginnt am Sonntag in Österreich das Superwahljahr 2013. Die Wirtschaft brummt, aber die im Korruptionsfilz verstrickten Volksparteien wanken. Und ein 80-jähriger Milliardär ohne Programm aber mit traditionellen Werten wirbelt das politische Gefüge durcheinander.

Veröffentlicht auf 1 März 2013 um 12:26

Der alte Herr wirkt einsam inmitten all der Menschen. Hunderte haben sich im Saal des Bärenwirts eingefunden, auf der Bühne singt ein Barde mit dem Künstlernamen Otto Normalverbraucher „Steirer Men are very good“, die Masse klatscht enthusiastisch. Vier junge Damen, Groupies des Stargastes mit rot-weiß-roten Halstüchern in den Farben seiner neuen Partei, schwenken rot-weiß-rote Fähnchen. Sie sind dunkelhaarig, was ungewöhnlich ist, denn Frank Stronach, 80 Jahre alt und gebürtiger Steirer, umgibt sich habituell nur mit blonden Frauen. Er selbst sitzt unterhalb der Bühne, sein Team hält respektvoll Abstand. Stronach klopft, den Blick auf der Tischplatte, im Takt der Musik verloren mit einem Fähnchen auf den Tisch – als wäre er zu Gast bei einem Fest, dessen Anlass er nicht kennt.

Als er später die Bühne erklimmt, wird es ehrfurchtsvoll still im Saal. Die meisten Besucher kennen den Chef vom „Team Stronach“, der bei den Wahlen am kommenden Sonntag in Niederösterreich als Spitzenkandidat antritt, nur aus dem Fernsehen, wo er regelmäßig gut vorbereitete Interviewer mit ellenlangen, wirren Reden zur Verzweiflung treibt. An Gesprächsrunden vor den zwei anstehenden Wahlen – neben Niederösterreich stimmt auch Kärnten über einen neuen Landtag ab – nimmt er nicht teil. Da werde nur durcheinander gebrüllt, lässt er ausrichten. Die Wahrheit ist, dass Stronach nicht diskutieren kann, abweichende Meinungen irritieren den Senior erkennbar. Er war zu lange Chef, als das er jetzt Teamarbeiter sein könnte, dem Namen seiner Partei zum Trotz.

Stronach mischt erst seit einem dreiviertel Jahr Österreichs Politik auf, mehrere Monate im Jahr lebt er in seiner Wahlheimat Kanada, in die er als junger Mann auswanderte und wo er den Autozulieferkonzern Magna aufbaute. Jetzt ist Stronach Milliardär, Magna hat er abgegeben, nun will er „Österreich dienen“. Sein vieles Geld hilft ihm dabei, bei jedem Wahlkampfauftritt bekommt jeder Besucher Getränk und Imbiss kostenlos. Anekdoten aus seinem Leben erzählt er, vom Hunger, vom ersten Heimatbesuch im schicken Auto, davon, dass er mittlerweile so wichtig sei, dass er es sich leisten könne, eine Einladung der Queen auszuschlagen. Sein Deutsch ist stark englisch eingefärbt, aber immer noch gut. Er erzählt die Geschichte vom Selfmademan, schildert seinen Weg vom steirischen Werkzeugmacher zum kanadischen Tellerwäscher und dann zum Millionär. Lesen Sie weiter auf der Seite der Süddeutschen Zeitung

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