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„Sicherer als Wasser aus der Flasche“: Die Europäer*innen entdecken die Vorteile von Leitungswasser neu

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Wasser ist unsere wichtigste Ressource. Es wird sowohl als Trinkwasser als auch in der Landwirtschaft und Industrie genutzt. Doch nun sind Europas Grundwasservorkommen, die ohnehin schon stark beansprucht sind, auch durch den Klimawandel bedroht. Zudem variiert die Wasserqualität auf dem gesamten Kontinent, und es besteht die Gefahr, dass diese Ungleichheit in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Analysen und Daten.

Veröffentlicht am 2 Juli 2026

„Leitungswasser ist das am strengsten regulierte Lebensmittel“, sagt Annelies Broekman, Forscherin in der Abteilung „Wasser und globaler Wandel“ des CREAF. Sie weist darauf hin, dass der Zugang zu sicherem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen im Jahr 2010 von den Vereinten Nationen zum Menschenrecht erklärt wurde, da er als lebensnotwendig und für die Ausübung anderer Grundrechte unerlässlich gilt.

In vielen Ländern wird dieses Recht durch ein umfassendes System der Qualitätskontrolle gewährleistet. Obligatorische regelmäßige Untersuchungen stellen sicher, dass das Trinkwasser den europäischen Normen für mikrobiologische und chemische Sicherheit entspricht. Durch diese kontinuierliche Überwachung können etwaige Probleme umgehend erkannt werden.

Im internationalen Vergleich sind die nordeuropäischen Länder bei den Qualitätsstandards führend. Nach Angaben des Environmental Performance Index erreichen Länder wie Finnland, Deutschland und die Schweiz die Höchstpunktzahl (100) in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit.

Zu den Schlusslichtern zählen z. B. Moldawien (50 Punkte) und Albanien (54,1) sowie EU-Mitgliedstaaten wie Lettland, Litauen und Rumänien. Dies spiegelt die erheblichen regionalen Ungleichheiten in Europa wider.

Wenn Leitungswasser als „hochwertig“ gilt, heißt das nicht nur, dass es für den menschlichen Verzehr unbedenklich ist. Es bedeutet auch, dass das Wasser kontinuierlich auf Spurenstoffe (beispielsweise hormonstörende PFAS-Moleküle, Pestizide und andere Mikroverunreinigungen) überwacht wird, dass die Verteilungsinfrastruktur gut instand gehalten wird und dass die Wasserquellen vor Verunreinigungen geschützt sind.

Qualität beginnt an der Quelle

Broekman erklärt: „Der Norden überwacht das Wasser nicht nur besser. Wasserknappheit und Fluss-Durchflussmengen können auch den Gehalt an organischen Schadstoffen beeinflussen.“

Zum Thema verschmutzte Flüsse unterscheidet die Expertin zwischen chemischen Schadstoffen – die größtenteils aus industriellen oder landwirtschaftlichen Aktivitäten stammen – und organischen Schadstoffen, bei denen es sich um Sedimente handelt, die zwar natürlich im Ökosystem vorkommen, das Wasser aber dennoch für den menschlichen Gebrauch ungeeignet machen.

Die Flüsse im Norden Europas weisen höhere Durchflussmengen auf als diejenigen im Süden. Das größere Volumen an fließendem Wasser kann dazu beitragen, bestimmte Schadstoffe zu verdünnen und so deren Konzentration im Grundwasser zu verringern. Das führt in der Regel zu einer Entlastung der Kläranlagen und verbessert die Wirksamkeit der Filtration und Desinfektion.

Der vielleicht wichtigste Faktor für die Wasserqualität ist jedoch, dass die Quelle selbst frei von Schadstoffen ist.

„Es geht weniger um die Wasseraufbereitungsinfrastruktur als vielmehr um die Qualität des Rohwassers“, sagt Broekman. Um die Verfügbarkeit und Qualität des von uns verbrauchten Wassers zu verstehen, müssen wir wissen, woher es kommt. Es ist nicht dasselbe, ob Wasser aus einem Fluss, einem Stausee oder einem Grundwasserleiter entnommen wird. Jede Quelle weist unterschiedliche Eigenschaften auf und reagiert anders auf Niederschläge, Dürren und Verschmutzung. 

Diese Variable ist auch mitverantwortlich dafür, wie anfällig das System gegenüber der Klimaerwärmung und extremen Wetterereignissen sein wird, die immer häufiger auftreten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Art der Wassernutzung. Die wichtigsten Verwendungszwecke sind der menschliche Verbrauch, die Landwirtschaft, die Industrie und die Ökosysteme.

Von entscheidender Bedeutung ist schließlich, wie viele Menschen von einer einzigen Quelle versorgt werden. Je mehr Menschen davon abhängig sind, desto größer ist der Druck auf das System.

Nicht nur das Wasser geht zur Neige, auch das Geld

Ein klares Verständnis der Situation kann den Institutionen somit dabei helfen, sich besser zu organisieren.

Zu den konkreten Herausforderungen zählt nach wie vor das Vorkommen von Chemikalien im Grundwasser – ein großes Problem. Grundwasser deckt etwa 25 % des Bewässerungsbedarfs in der Landwirtschaft und 65 % des Trinkwasserbedarfs in der EU. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur befinden sich mehr als 20 % des Grundwassers in der EU in einem schlechten chemischen Zustand, was bedeutet, dass Schadstoffe wie Quecksilber und Cadmium die in der EU-Wasserrahmenrichtlinie festgelegten Grenzwerte überschreiten.

Allein die Behandlung von Nitraten – die häufig in Düngemitteln enthalten sind – kostet die EU schätzungsweise bis zu 320 Milliarden Euro pro Jahr. Der EU-Grenzwert für die Nitratbelastung liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Nach Angaben der Europäischen Kommission wurde er an 14 % der europäischen Grundwassermessstationen überschritten.

Im Januar 2022 hat die EU die erste Beobachtungsliste für Trinkwasser verabschiedet. Eines ihrer Ziele ist es, die Konzentrationen von Beta-Östradiol und Nonylphenol zu überwachen – zwei endokrine Disruptoren, die Hormone im menschlichen Körper nachahmen oder deren Wirkung stören.

Die nationalen Behörden haben damit begonnen, Maßnahmen im Einklang mit diesem EU-Rahmen umzusetzen. In Frankreich beispielsweise verstärkt die Regierung ihre Überwachung neu auftretender Schadstoffe wie PFAS. Ab 2026 wird im Rahmen der obligatorischen Überwachung von 20 PFAS-Verbindungen im Einklang mit der europäischen Richtlinie ein Qualitätsgrenzwert von 0,1 µg pro Liter gelten. Die französische Gesundheits- und Umweltbehörde ANSES ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen: Sie testet sowohl unbehandeltes als auch aufbereitetes Wasser auf PFAS und hat die Anzahl der analysierten Stoffe auf 35 erhöht.

Ähnlich verhält es sich in Ungarn, wo im Jahr 2024 das Leitungswasser in 99,8 % der Gemeinden als unbedenklich eingestuft wurde: Die Behörden haben damit begonnen, PFAS im Trinkwasser zu überwachen, wobei sie zunächst bei den großen Einzugsgebieten ansetzen.

„Neben den Wasseraufbereitungsanlagen ist es wichtig, der Überprüfung und Verbesserung der Verteilungsnetze Vorrang einzuräumen, da in Spanien Leckagen eines der häufigsten Probleme darstellen“, erklärt Juan Manuel Garrido, Professor für Chemieingenieurwesen an der Universität Santiago de Compostela.

Das Nachbarland Frankreich befasst sich bereits mit diesem Thema. In ihrem Wasserplan 2023–2030 hat die Regierung der Reduzierung von Leckagen in den Wasserleitungen Priorität eingeräumt. Derzeit gehen rund 20 % des aufbereiteten Wassers während der Verteilung verloren. Das französische Maßnahmenpaket umfasst zudem Maßnahmen zur Senkung der Wasserentnahme um 10 % bis 2030, zur Verbesserung der Dürrevorsorge, zur Modernisierung der Infrastruktur und zur Diversifizierung der Versorgungsquellen.

Eine tickende Zeitbombe

Die Klimaprognosen der Europäischen Kommission deuten auf eine zunehmende Süßwasserknappheit in Südeuropa hin, was Landwirtschaft und Viehzucht unter Druck setzen wird. Umgekehrt könnten in bestimmten Regionen in Nordeuropa die Wasserreserven sogar zunehmen, wodurch sich die regionalen Unterschiede weiter vergrößern würden.

Daher wird der Klimawandel Expertinnen und Experten zufolge die bestehenden Risiken nur noch verschärfen. Es ist dringend erforderlich, so schnell wie möglich Vorsorge- und Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen.

Die gesamte Wasserentnahme in der EU ging zwischen 2000 und 2022 um 19 % zurück. Dennoch berichtet die Europäische Umweltagentur (EEA), dass Wasserstress nach wie vor ein systemisches Problem darstellt, von dem etwa 30 % des europäischen Staatsgebiets und 34 % der Bevölkerung betroffen sind. Besonders schwerwiegend sind die Auswirkungen in Südeuropa und in dicht besiedelten Gebieten.

Die Einstellung der Bevölkerung zum Thema Wasser spiegelt sich im täglichen Verbrauch und in den Erwartungen hinsichtlich seiner Qualität wider. „Das Bewusstsein dafür, Verschwendung zu vermeiden, ist zwar recht ausgeprägt, aber es gibt noch viel zu tun“, sagt Broekman.

Der Geschmack als Verbraucherindikator

Warum wird dann selbst in den europäischen Ländern, die über die höchste Wasserqualität verfügen, weiterhin Wasser aus Flaschen getrunken? Geschmack und Qualität hängen zusammen. Doch die Mineralstoffzusammensetzung von Wasser sagt noch lange nicht jedem Gaumen zu, nur weil es trinkbar ist.

Spanien gehört zusammen mit Italien und Griechenland zu den drei europäischen Ländern mit dem höchsten Verbrauch an abgefülltem Wasser, wie aus den Daten von Natural Mineral Waters Europe aus dem Jahr 2024 hervorgeht. 

„Das ist eine menschliche Neigung, genau wie die Beeinflussung durch das äußere Erscheinungsbild“, erklärt Garrido. „Würden wir rot gefärbtes Wasser trinken, selbst wenn man uns versichern würde, dass es trinkbar ist?“

Er ist jedoch der Ansicht, dass die Verbrauchenden möglicherweise trotz allem für Wasser bezahlen, dessen Qualität derjenigen von Leitungswasser entspricht – oder sogar noch schlechter ist.

„Ein Teil des Verbrauchs hängt vom öffentlichen Bewusstsein ab“, erklärt Broekman. Dieser Ansicht ist auch Garrido, der darauf hinweist, dass die heutige Technologie in der Lage ist, „aus jeder Art von Wasser Trinkwasser zu gewinnen“.

Wenn wir das nächste Mal im Supermarkt am Wasserregal stehen, sollten wir uns vielleicht nicht fragen, welche Flasche wir wählen sollen, sondern warum wir vergessen, dass es ein System gibt, das sicheres Trinkwasser direkt aus unseren Wasserhähnen fließen lässt.

👉 Originalartikel auf El Confidencial
🤝 Dieser Artikel ist Teil des PULSE Europe-Kooperationsprojekts. György Folk (Eurologus/HVG) und Gian-Paolo Accardo (Voxeurop) haben dazu beigetragen.

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