Tschechen und Slowaken fahren nicht nach Oslo

Veröffentlicht auf 3 Dezember 2012 um 15:11

Weder Tschechiens Präsident Václav Klaus noch Regierungschef Petr Nečas werden an der Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember in Oslo teilnehmen. Der prestigeträchtige Preis geht an die Europäische Union, die sechs Jahrzehnte lang für Demokratie und Menschenrechte eingetreten ist.

Während der als notorischer EU-Kritiker bekannte Klaus, der die Entscheidung des Nobel-Komitees bereits zuvor als „tragischen Scherz“ kritisiert hatte, nicht einmal eine Begründung für seine Abwesenheit angab, führte Nečas laut MFDnes „zuvor vereinbarte Verpflichtungen“ ins Feld. Allein Außenminister und Präsidentschaftskandidat Karel Schwarzenberg, „wolle anwesend sein, aber niemand hat ihn eingeladen“.

Für die Tageszeitung ist es keine große Sache, dass kein einziges „hohes Tier“ Tschechiens nach Oslo reisen wird.

Das wird kaum jemandem auffallen, Brüssel wird viel Geld sparen und zudem nicht auf seinen Kleinkram aufpassen [Anspielung auf Klaus’ Besuch in Chile, wo er einen Stift mitgehen ließ]. Die ganze Angelegenheit wäre nicht einmal erwähnenswert, wenn sie nicht ein Symbol für das verzwickte und gestörte Verhältnis unseres Landes zur EU wäre. […] Ohne die EU würde nicht nur die Tschechische Republik, sondern ganz Mitteleuropa als solches ein ebenso prekäres Dasein fristen wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Auch wenn es ein Fehler ist, der EU den Preis jetzt zu verleihen, so gibt es dafür doch eine Erklärung, vermutet die Tageszeitung:

Die Gründerväter der Union – darunter Adenauer, Churchill, Schuman oder Spinelli – hätten [den Preis eigentlich] zu Lebzeiten erhalten müssen.

„Kritik statt Boykott“, fordert Lidové Noviny dagegen. Die Tageszeitung räumt zwar ein, dass die EU „vielleicht nicht der ideale Sieger“ ist, weist aber auch darauf hin, dass konstruktive Kritik an der EU-Politik nützlicher wäre, als Unzufriedenheit einfach nur dadurch kundzutun, dass man die Verleihungsfeier boykottiert.

Doch „sind es nicht nur die euroskeptischen Tschechen und Briten“, die das Fest verderben wollen, sondern auch die Slowakei, fügt SME hinzu. Die Tageszeitung aus Bratislava meldet, dass der slowakische Ministerpräsident Robert Fico auch nicht an der Verleihung des Friedensnobelpreises teilnehmen wird. Der Grund dafür seien „akute Probleme“, denen er seine volle Aufmerksamkeit im eigenen Land schenken muss.

Auch der slowakische Staatspräsident Ivan Gasparovic wird nicht an der Zeremonie teilnehmen und stattdessen nach Prag reisen, um sich von Klaus zu verabschieden, der wohl demnächst aus dem Amt scheiden wird.

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