Dominique Strauss-Kahn und Christine Lagarde beim Treffen der G20-Finanzminister in Washington, 15. April 2011.

Warum der IWF europäisch bleiben muss

Zu einer Zeit, in der die Euro-Zone zu implodieren droht, darf Europa nicht auf die Führung im IWF zugunsten Asiens oder Lateinamerikas verzichten, schreibt der Figaro. Für ihn ist die französische Finanzministerin Christine Lagarde die ideale Nachfolgerin auf den Posten von Dominique Strauss-Kahn.

Veröffentlicht auf 20 Mai 2011 um 13:44
Dominique Strauss-Kahn und Christine Lagarde beim Treffen der G20-Finanzminister in Washington, 15. April 2011.

Nun, da Dominique Straus-Kahn weg vom Fenster ist, beginnt eine äußerst heikle Partie, um einen Nachfolger für den Chefsessel des Internationalen Währungsfonds zu finden. Niemand ist unersetzlich. Zwar sind seine Kompetenz, seine Bilanz und sein Know-how in der Krisenbewältigung unbestritten, dennoch gibt es ebenso qualifizierte Kandidaten, um seine Nachfolge anzutreten.

Der IWF, der lange Zeit vor sich hinschlummerte, ist nicht allein durch die Gnade seines Direktors zum Feuerwehrmann der Welt geworden. Er steht wieder in der Mitte des Geschehens, weil es außergewöhnliche Ereignisse gegeben hat, allen voran die Finanzkrise von 2008 mit der anschließenden Euro-Krise.

Da letztere noch weiter schwelt, ist es leicht verständlich, warum die Europäer um jeden Preis entschlossen sind, diesen Posten für einen aus ihren Rängen zu bewahren. Die Rettung Griechenlands und weitergehend die Probleme der Gemeinschaftswährung werden für den künftigen Chef des IWF quasi zum Full-Time-Job werden. Der technische und finanzielle Beistand der Institution ist bei diesem komplexen Dossier, welches weit über die Grenzen des Alten Kontinents hinausgreift, unabkömmlich. Denn im Gegensatz zu den vorschnellen Behauptungen einiger Brandstifter kann niemand die Folgen eines Zusammenbruchs der Euro-Zone auf die Weltwirtschaft voraussagen.

Die Situation erfordert jemanden, der eine gründliche Kenntnis der EU-Mechanismen und der Feinheiten der Lokalpolitik hat. Es ist keine Beleidigung, zu behaupten, dass ein Europäer für dieses heikle Thema besser geeignet ist als ein Asiat oder Südamerikaner. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass Christine Lagarde, seit langem vertraut mit diesem und anderen IWF-Themen, einhellig als Idealbesetzung angesehen wird.

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Versprochen, die Zeit wird kommen, in der ein Vertreter einer aufstrebenden Wirtschaftsnation das höchste Amt besetzen wird. Die Globalisierung der Wirtschaft und die derzeitige Umwälzung der Machtverhältnisse erfordern solch einen Wechsel. Was auch bedeutet, dass Großmächte wie China ihre Alleingänge mit Rücksicht auf die übrige Welt aufgeben müssen. Doch im Moment geht es darum, eine Notlage zu bewältigen.

Aus dem Französischen von Jörg Stickan

Aus Berlin

Der deutsche Kandidat ist eine Französin

„Die deutsche Kandidatin“, titelt das Handelsblatt und zeigt ein Foto von Frankreichs lächelnder Finanzministerin Christine Lagarde. Berlin hält das für eine gute Wahl, denn sie vertritt „in wichtigen europäischen Fragen die Positionen der Bundesregierung“. Für das Handelsblatt hingegen würde „eine neue IWF-Chefin Lagarde eine Niederlage bedeuten, denn Staaten werden auch daran gemessen, wie sie ihr Gewicht bei der Besetzung internationaler Spitzenpositionen einsetzen“. Obwohl Deutschland heute die „mit Abstand stärkste Volkswirtschaft Europas“ ist, „besetzt es derzeit nicht einen einzigen internationalen Top-Job“, beklagt das Wirtschaftsblatt. „Wie schon bei der EU-Kommission und der EZB- Präsidentschaft verzichtet Berlin auf eine deutsche Kandidatur, obwohl Deutschland mit seinem ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Axel Weber (Ex-Mitglied des EZB-Rats) mindestens über drei geeignete Kandidaten für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds verfügt, kritisiert die Zeitung.

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