Wie sich die Geschäftswelt auf Eurogeddon vorbereitet

Veröffentlicht auf 1 Dezember 2011 um 13:14

Die führenden Politiker der Eurozone können noch so beteuern, dass ein Auseinanderbrechen des Euro "niemals passieren wird" – doch "manche Banken sind sich da nicht mehr so sicher", wie die New York Times betont.

"Banken wie Merrill Lynch, Barclays Capital und Nomura veröffentlichten kaskadenartig Berichte, in denen die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs der Eurozone untersucht wird." "Die Finanzkrise der Eurozone ist in eine weitaus gefährlichere Phase eingetreten", schrieben die Analysten von Nomura am Freitag. Falls nicht die Europäische Zentralbank da helfend eingreift, wo die Politiker gescheitert sind, "scheint ein Zusammenbruch des Euro heute wahrscheinlich und nicht nur möglich", hieß es bei der Bank.

Die New Yorker Tageszeitung drückt ihre Überraschung aus, dass "Banken in den großen Ländern der Eurozone, die erst seit kurzem von der Krise infiziert sind, nicht annähernd so nervös scheinen".

"Während in den Vereinigten Staaten deutlich die Ansicht besteht, Europa könne auseinanderbrechen, glauben wir hier daran, dass Europa so bleiben muss, wie es ist", erklärte ein französischer Banker zusammenfassend für die Denkweise der französischen Banken. "Es sagt also niemand: 'Wir brauchen eine Alternative.'"

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Die Financial Times hakt noch ein bisschen weiter nach, mit einem Bericht darüber, wie internationale Unternehmen für den Notfall planen.

"Autohersteller, Energiekonzerne, Konsumgüterfirmen und andere Multis achten darauf, die Risiken zu minimieren, indem sie Barreserven sicher anlegen und unwesentlichen Kostenaufwand kontrollieren. Der Technologiekonzern Siemens hat sogar seine eigene Bank eingerichtet, um Geldmittel bei der Europäischen Zentralbank anzulegen."

Die Londoner Businesszeitung betont, dass "Manche weltweit präsente Unternehmen meinen, ein Zusammenbruch des Euro wäre zwar hart, ließe sich aber beherrschen." Sie weist auch darauf hin, dass:

"Einige französische, italienische und spanische Führungskräfte angeben, sie hätten zwar bereits Pläne für den Fall großer finanzieller und wirtschaftlicher Turbulenzen, doch nicht spezifisch für einen Zusammenbruch des Euro. Ihrer Ansicht nach liegt das Risiko darin, dass die Stabilität der Region sogar noch stärker bedroht sein könnte, falls bekannt würde, dass die Unternehmen das Schlimmste erwägen."

Die französische Wirtschaftszeitung Les Echos konzentriert sich auf die Rückkehr zur Nationalwährung, die ein solcher Euro-Zusammenbruch zur Folge hätte:

"Monatelang hat [das britische Finanzunternehmen] Icap auf seiner elektronischen Plattform EBS, der größten Interbankenbörse für Devisen, diskret eine Rückkehr zur griechischen Drachme getestet."

In Warschau berichtet die Dziennik Gazeta Prawna, dass Unternehmen in der ganzen Welt ihre Notstandspläne vorbereiten mögen, doch "polnische Unternehmen bewahren die Fassung". Ein Sprecher von Solaris Bus & Coach meinte dazu:

"... sollte die Eurozone zusammenbrechen, dann wäre das kein Schlag für uns. Wir erhalten bereits Zahlungen nicht nur in Euro, sondern auch in tschechischen oder schwedischen Kronen."

Unterdessen erklärte der Vizepräsident einer Aluminiumdosenfabrik, dass "niemand weiß, wie ein Zusammenbruch der Eurozone in der Praxis aussehen würde. Das einzige, gegen das wir uns wappnen können, sind Währungsfluktuationen."

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