Ideen “Je suis Charlie”
"Vereint gegen den Schrecken"

Wird Europa der Mobilisierung gerecht werden können?

Im Zuge des „republikanischen Marsches“, der nach den Attentaten von Paris mehr als 4 Millionen Menschen in Frankreich und zigtausende in Europa mobilisiert hat, forderten die Demonstranten, dass Freiheit und Demokratie nicht verhandelbar sein können und stärker sein sollten, als Hass und Fanatismus. Europa muss nun seine Rolle spiele und die Herausforderung annehmen.

Veröffentlicht auf 14 Januar 2015 um 06:34
"Vereint gegen den Schrecken"

So etwas wie gestern [Sonntag] gab es noch nie. Hoffen wir nun, dass daraus ein Grundstein für Europa und Frankreich wird.

Staats- und Regierungschefs der EU waren gekommen, um an der Seite von François Hollande und seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy zu marschieren und um nach diesen Terroranschlägen ihre Solidarität mit Frankreich kundzutun. Ebenfalls mit dabei: viele weitere Staatschefs, darunter jene Israels und Palästinas, sowie die gesamte europäische Führungsriege.

Europa, oftmals auf einen großen Binnenmarkt reduziert, hat gezeigt, dass es mehr sei – ja dass es mehr sein soll. Angesichts der terroristischen Barbarei erinnert sich Europa auf einmal daran, woher es kommt.

Der europäische Prozess wurde vor 60 Jahren gestartet, um Frieden und Demokratie zu garantieren. [[Heute muss Europa neuen Herausforderungen begegnen – und das trotz instabilen Wohlstandes auf dem Kontinent.]] Wie Matteo Renzi richtig festgestellt hat, nennt Europa zwar eine gemeinsame Währung sein Eigen, jedoch braucht es nun gemeinschaftliche Instrumente (Geheimdienste, Verteidigung...) um seine Sicherheit zu garantieren. Und das einerseits nach außen (Ukraine, Syrien, Libyen) und im Inneren.

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Ohne Zweifel benötigen wir mehr Europa und nicht weniger, doch das wird nicht einfach. Außerdem müssten die gestern anwesenden Länder ihre Entschlossenheit überall dort, wo Terrorismus seinen Ursprung hat, unter Beweis stellen – jene gestern anwesenden Länder, die Syrien verfallen ließen.

Sonntag könnte auch für ein von Zweifel und Zerwürfnissen geplagtes und von einer nicht endenden Krise verfolgtes Frankreich begründend oder neubegründend wirken. Auch hier wurden den Franzosen auch erst im Angesicht von Angst und Entsetzen wieder jene Werte klar, die Frankreich ausmachen. Das internationale Echo der Morde hat das Land überrascht. Im Land der Aufklärung hat die Exekution der Zeichner von Charlie Hebdo eine ganz andere Bedeutung; ebenso wie die darauffolgende antisemitische Attacke.

Wenn sich Angela Merkel, wo sich doch Deutschland über Immigration immer weiter spaltet, von der Reaktion der Franzosen beeindruckt zeigt, so sind das keine leeren Reden. [[Die außergewöhnliche internationale Solidarität verpflichtet Frankreich nun, dem gerecht zu werden, was es symbolisiert]]: eine Republik in der Menschen aller Religionen und Herkunft eine pluralistische, laizistische Nation bilden, die Rassismus und Fanatismus ablehnt. Dorthin zu gelangen wir allerdings ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Der Morgen nach einem derartig wiederbelebenden Wochenende wird schwierig. Diskussionen werden wieder aufkommen. Regierung, politische und religiöse Verantwortliche müssen den Erwartungen gerecht werden. Die notwendigen Sicherheitsbestrebungen müssen zu effizienten Lösungen und zur Ablehnung demagogischer Vorschläge – die sicherlich nicht ausbleiben werden –führen.

Die Linksparteien müssen pragmatisch handeln und Idealismus ablegen. Die Parteien rechts der Mitte müssen eine konstruktive Opposition bilden, die sich extremistischen Tendenzen verschließt. Ehrenvolle Wünsche? Außergewöhnlichen Umstände fordern außergewöhnliche Antworten.

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