Die deutschen Befürworter des Afghanistan-Einsatzes sind ins Mark getroffen. Sie haben den Krieg stets mit hohen moralischen Ansprüchen verkauft. Gleichzeitig wurde ein risikoloser Einsatz versprochen. Beide Säulen dieses Konstrukts sind mit Obamas Redezusammengebrochen.
Die Bundesregierung müsste jetzt eingestehen, dass die neue Strategie der USA und ihrer Verbündeten in Afghanistan darauf basiert, den Krieg nüchtern zu sehen. Doch ohne Pathos, ohne Gutkrieger-Mythos gäbe es keine deutsche Beteiligung an diesem Konflikt. Die rot-grüne Koalition unter Schröder und Fischer hätte sonst vor acht Jahre keine Unterstützung für die Entsendung der ersten Truppen bekommen. Und nun fürchten offenbar ihre Nachfolger, auch den letzten Rest an Unterstützung für den Einsatz am Hindukusch zu verlieren. Zum Originalartikel von Eric Chauvistré in der Tageszeitung...
Europäische Union
30.000 Soldaten vor Ort
Nachdem Präsident Obama dafür plädiert hat, noch mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken, wird in mehreren europäischen Ländern die seit 2001 latent schwelende Diskussion wieder entfacht, ob die westliche Militärpräsenz in Afghanistan legitim ist und welche Ziele sie genau verfolgt. Momentan sind knapp 30.000 der 71.000 Soldaten der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (Isaf) aus 25 Ländern der EU vor Ort stationiert. Die europäischen Alliierten von Washington werden vom Generalsekretär der NATO Anders Fogh Rasmussen unter Druck gesetzt und müssen sich zur weiteren Vorgehensweise bezüglich ihres Engagements äußern. Am 2. Dezember zeigte Polen seine Bereitschaft, weitere 600 Männer zu entsenden. Am 3. kündigte Italien eine Verstärkung von 500 bis 1500 Soldaten an. Aber die Niederlande, deren Koalitionsregierung sich hinsichtlich dieser Frage uneinig ist, bleiben entschlossen, sich am 1. Dezember 2010 aus Afghanistan zurückzuziehen. Frankreich möchte die internationale Konferenz Ende Januar abwarten, bevor es sich dazu oder dagegen entschließt, Ausbilder für die afghanische Armee zu entsenden. Großbritannien stellt nach den USA das größte Kontingent und hatte schon angekündigt, demnächst 500 weitere Soldaten zu stationieren.
Interessiert an diesem Artikel? Wir sind sehr erfreut! Es ist frei zugänglich, weil wir glauben, dass das Recht auf freie und unabhängige Information für die Demokratie unentbehrlich ist. Allerdings gibt es für dieses Recht keine Garantie für die Ewigkeit. Und Unabhängigkeit hat ihren Preis. Wir brauchen Ihre Unterstützung, um weiterhin unabhängige und mehrsprachige Nachrichten für alle Europäer veröffentlichen zu können. Entdecken Sie unsere drei Mitgliedschaftsangebote und ihre exklusiven Vorteile und werden Sie noch heute Mitglied unserer Gemeinschaft!