Kundus (Afghanistan): Reste der von der NATO am 4. September bombardierten Tanklastwagen (AFP).
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Der gute Krieg ist vorbei

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Nach der Bombardierung von zwei Tanklastwagen im Norden Afghanistans mit vielen Toten steht die Bundeswehr im Hagel der Kritik ihrer europäischen Alliierten. – Verfrühte und gefährliche Vorwürfe, meint die Süddeutsche Zeitung, die dennoch zeigten, dass der Krieg endlich ein ernsthaftes Wahlkampfthema werden muss.

Veröffentlicht am 7 September 2009
Kundus (Afghanistan): Reste der von der NATO am 4. September bombardierten Tanklastwagen (AFP).

Dieser Luftangriff wird für den Afghanistaneinsatz sein, was die chinesische Botschaft für den Kosovo war, schreibt Stefan Kornelius im Leitartikel der Süddeutschen Zeitung. Im Guerilla-Krieg mit einem hohen Anteil ziviler Opfer habe es "viele Jahre gedauert, bis die neue Luftschlag-Doktrin erlassen wurde" und die besagt: Zivilisten haben Priorität. Einverstanden mit den harschen Kritikern ist Kornelius nach dem Unschuldsprinzip jedoch nicht. "Gründe für diesen harschen Ton gibt es viele: Der Isaf-Kommandeur muss um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenige Wochen nach seinem Strategiewechsel. Bei den Verbündeten herrscht eine Grundverbitterung über die deutsche Politik, die zwar das drittgrößte Truppenkontingent entsandt hat, aber sonst durch gute Ratschläge und mangelnde Taten auffällt. Nun hat diese Einsatznation, die immer alles besser wusste und das militärische Gedröhne der Truppensteller im Süden kritisierte, den Luftschlag mit der möglicherweise höchsten Zahl an Toten zu verantworten." In Deutschland müsse die große Koalition endlich akzeptieren, den Krieg in Afghanistan im Wahlkampf "ohne schrille Obertöne" zu behandeln. Zum Originalartikel.

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Zeit, das Bündnis aufzulösen

"Auf einmal befindet sich der Krieg in Afghanistan in der Krise und in der Schwebe", schreibtMary Dejevsky in The Independent. Hinter den offiziellen Streitgesprächen um den Sinn und Zweck dieses Krieges brodelt eine ganz andere Diskussion, in der es um die Zukunft, beziehungsweise um die NATO geht. Dejevsky fragt sich, "wie hoch der Preis für das Fortbestehen des Bündnisses wohl noch sein wird", wenn sich die NATO in Afghanistan nicht durchsetzen kann. Sie vertritt weiterhin die Ansicht, dass das Bündnis "seine eigene Nützlichkeit überdauert hat" und "sich schon zum Ende des Kalten Krieges zum Sieger erklären und sich auflösen hätte lassen müssen". Eine solche Auflösung hätte auch Moskau bewiesen, dass das NATO-Image als "ausschließlich gegen Russland gerichtetes" Bündnis überholt ist. Möglicherweise wären "eine Namensänderung und eine genauere Definition der Mission" erste Schritte des Bündnisses auf dem Weg zum "Herzstück einer regionalen Militärkraft der Vereinten Nationen" gewesen. Gegenwärtig ist das Bündnis allerdings unfähig, sein neues Ziel klar zu definieren. Im afghanischen Schlamm feststeckend scheint es immer labiler zu werden.

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