Wer wird die Europäische Ratssitzung am 25. und 26. März dominieren: "Lady Europa oder Frau Germania", fragt die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza auf ihrer Titelseite. Ihrer Meinung nach "werden die Deutschen ab sofort für ihre eigenen Interessen kämpfen. Genau so, wie es die Franzosen, Spanier und Engländer jahrelang getan haben". Ihr Kollege Polska ist hingegen davon überzeugt, dass "Deutschland sich um jeden Preis von seinem Image als Kassenmeister der EU befreien möchte. Und ganz besonders seit eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergeben hat, dass 40 Prozent der Deutschen denken, dass es ihnen mit der Deutschen Mark besser gehen würde als mit dem Euro. Im Vorfeld der für den 9. Mai geplanten Wahlen in Nordrhein-Westfalen ist dieser Urnengang für Merkel wichtiger als die Probleme Griechenlands", erklärt die Zeitung. La Tribune verhängt auf ihrer Titelseite "Alarmstufe rot für die europäische Währung" und führt "Berlins Weigerung, Griechenland zu helfen" auf sein eigenes Defizit zurück: "80,2 Milliarden Euro: Ein absoluter Rekord in der Geschichte der Bundesrepublik".

"Rette den Euro wer kann" schreibt derCourrier international und widmet seine Titelseite dem "Spiel um den Schwarzen Peter", welches die verschiedenen Parteien – allen voran Deutschland, Frankreich und Griechenland – gerade in Brüssel spielen. "Innerhalb der Europäischen Union herrscht immer mehr Streit", lautet das Urteil der von der französischen Wochenzeitschrift zitierten Washington Post, für die unsere "Region durch die wirtschaftlichen und diplomatischen Probleme harten Zerreißproben ausgesetzt ist".

Was den Ausgang des Gipfels angeht, so meint Il Sole 24, dass "man sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine doppelte Lösung für Athen einigen wird: Ein Eingreifen des IWF, für dessen Finanzierung die Länder der Eurozone aufkommen werden". Für die italienische Wirtschaftszeitung wäre das ein Kompromiss, der "Griechenland einerseits davor bewahren würde, allein an die Tore des Fonds klopfen zu müssen und andererseits seine Partner davon abhält, die Bedingungen für ihr Eingreifen einseitig festzulegen". "Die Art und Weise, wie man zu dieser Lösung kam ist abscheulich", auch wenn die Lösung selbst "vernünftig" scheint: "Zwischen Berlin, Paris und den anderen wichtigsten Ländern Europas kam es zu Meinungsverschiedenheiten, Streitereien und Protesten, ohne dass auch nur im geringsten koordiniert oder strategisch entschieden wurde". "Wir sind Lichtjahre von der Epoche entfernt, in der Helmut Kohl und François Mitterrand sich auf die gemeinsame Währung einigten" oder in der "Jacques Chirac und Gerhard Schröder sich vor dem Gipfel trafen, um gemeinsam die finanziellen Perspektiven der Union für die nächsten sieben Jahren auszuloten." (jh)
Portugal
Neues Griechenland in letzter Minute vermieden

Schätzen Sie unsere Arbeit?
Dann helfen Sie uns, multilingualen europäischen Journalismus weiterhin frei zugänglich anbieten zu können. Ihre einmalige oder monatliche Spende garantiert die Unabhängigkeit unserer Redaktion. Danke!
