Nachdem sich die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull verzogen hat, ist die panische Stimmung noch gestiegen, die Europa ergriffen hat, seitdem das Schreckgespenst des griechischen Bankrotts über der gemeinsamen Währung schwebt. Nun kommt noch die Angst vor einem Dominoeffekt hinzu, der die schwächsten Länder des Euro-Gebietes mit sich reißt und abhängig ist von den Schwankungen der Rating-Note ihrer Staatschulden. Portugal und Spanien wären die ersten hiervon betroffenen.

Drei große Agenturen sollen die Fähigkeit der Staaten einschätzen, ihre Schulden zurückzahlen zu können und verteilen hierfür Noten (Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch). Diese teilen sich den Markt nach Art eines Oligopols.

Es sind die gleichen Agenturen, die in den USA die Krise der Subprimes mit all ihren nunmehr bekannten Konsequenzen nicht haben kommen sehen. Sie haben lange gebraucht, um die Krise zu erkennen, die sich in Athen abzeichnete. Griechenland hatte allerdings seine Konten gefälscht, um den Ansprüchen der gemeinsamen Währung gerecht zu werden.

Heute stellen sie die Nerven der Europäer auf eine Zerreißprobe: Es reicht aus, dass die Note eines „PIG" (Akronym der Länder mit hohem Haushaltsdefizit Portugal-Irland-Griechenland) herabgesetzt wird, und schon wird das Ende des Euro heraufbeschworen. Gleichzeitig lernen die Europäer die Buchstabenkombinationen kennen, die in der Finanzsprache das Risiko angeben, das ihr Land für Investoren darstellt: AAA, AAB, BBB, BB+ und so weiter.

Eine andere Buchstabenkombination kommt derzeit ganz groß raus: BHV – die Abkürzung des bilingualen Viertels von Brüssel-Halle-Vilvoorde. Dessen Teilung ist der Stein des Anstoßes in Bezug auf die Spannungen zwischen Flamen und frankophonen Belgiern. Das Fehlen einer Einigung zwischen ihnen ist der Grund für das erneute Scheitern der Regierung von Yves Leterme. Das ist genau derjenige, der in zwei Monaten die wechselnde Präsidentschaft der Europäischen Union einnehmen soll.

Gian Paolo Accardo