Die am 3. Dezember veröffentlichte jüngste PISA-Studie zeigt insgesamt einen Leistungsrückgang bei den europäischen Schülern auf, während die Länder aus Fernost sich verbessern. In der Studie, welche die Leistungen von 15- und 16-Jährigen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften testet, schneiden insbesondere die skandinavischen Länder und Frankreich schlechter ab. So verliert Finnland seine Spitzenposition zugunsten von Südkorea und fällt auf den sechsten Platz zurück. Das Land sei nicht mehr „das Bildungs-Wunderland“, bedauert Helsingin Sanomat. Für die finnische Tageszeitung...

...kommt das Ergebnis nicht überraschend, jedoch ist bis jetzt niemand in der Lage, dafür eine vernünftige Erklärung zu liefern. [...] Die Finnen haben sich schlicht und einfach an den Gedanken gewöhnt, dass die Lehrkräfte in Finnland ausgezeichnet seien, und vor allem, die neunjährige Volksschule eine Stärke“.

Auch die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten ist unzufrieden: „Das reicht nicht”, urteilt das Blatt:

Unser öffentliches Schulsystem ist das teuerste der Welt, aber wir haben keinen Beweis dafür, dass unsere Schüler nicht doch zu den Dummköpfen der Welt zählen. Es wäre aber zu erwarten, dass die teuersten Schulen die beste Ausbildung und somit auch die besten Schüler liefern. Für die Kollegen von Berlingske ist es „höchste Zeit, dass die westlichen Wohlfahrtsstaaten ihr Bildungssystem überdenken“.

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In Frankreich wiederum löste die PISA-Studie einen Schock aus. Das Land fiel um weitere 2 Plätze und wird unter den 65 getesteten Ländern heute nur noch auf Rang 25 geführt. Le Figaro kritisiert das französische Schulsystem als „ungerecht und ineffizient“:

Die Kluft zwischen guten und schlechten Schülern wird immer größer [...]. Zwar sind wir noch immer in der Lage, zukünftige Physik- oder Medizin-Nobelpreisträger auszubilden, doch gleichzeitig produzieren wir auch immer mehr Faulpelze.

Das konservative Blatt nimmt Deutschland als Beispiel, das 2001 bei der PISA-Studie schlecht abschnitt, darauf aber „sofort reagiert hat“. Die Leistungen der deutschen Schüler „haben sich verbessert und es geht an den Schulen gerechter zu als noch vor Jahren”, stellt auch Der Spiegel mit Genugtuug fest :

Ein psychischer Schock geht für gewöhnlich einher mit einem Moment der Starre, gefolgt von Desorientierung. [...] Irgendwann beginnt die Verarbeitung, dann die Erholung - da ist Deutschlands Bildungswesen mittlerweile angekommen. [...] Es wird Zeit, den Begriff 'Pisa-Schock' durch 'Pisa-Fortschritt' zu ersetzen.

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