Kroatien verantwortlich für Verbechen im Jugoslawienkrieg

Veröffentlicht auf 30 Mai 2013 um 13:39

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Haftstrafen von insgesamt 111 Jahren für sechs ranghohe Führer aus Politik und Armee der bosnischen Kroaten. Am 29. Mai wurden sie für schuldig befunden, zwischen 1992 und 1994 planmäßig die Muslime vertrieben zu haben, um eine kroatische Enklave in Bosnien-Herzegowina, Herzég Bosna, in den Grenzen von 1939 zu schaffen, die an Kroatien angebunden werden sollte.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien verurteilte ein „verbrecherisches Unternehmen“, verkündet Novi list auf dem Titelblatt. Die Tageszeitung aus Rijeka notiert des Weiteren, dass „Kroatien des Angriffs auf Bosnien-Herzegowina für schuldig befunden wurde“, da auch der ehemalige Präsident Franjo Tudjman, der Ex-Verteidigungsminister Gojko Šušak, sowie der General Janko Bobetko verurteilt wurden.
Nach dem Urteil, so meint Novi List

muss die Öffentlichkeit sich eingestehen, was sie seit 20 Jahren nicht wahrhaben will, nämlich, dass Verbrechen begangen worden sind. [...] Die Katharsis wird nicht stattfinden, solange wir nicht anerkennen, dass das, was passiert ist, nicht hätte passieren dürfen und dass kroatische Spitzenpolitiker daran mitschuldig waren. Heute, einen Monat vor Kroatiens EU-Beitritt, einfach zu sagen, dass wir nun ein anderes Land, eine andere Gesellschaft, als 1993 sind, ist schlicht unmoralisch.

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Jutarnji list hingegen berichtet von „Zagrebs Besorgnis“ und der „Wut in Mostar“, der „Hauptstadt“ bosnischen Kroaten. Doch betont die Tageszeitung aus Zagreb, dass „der Bosnische Verteidigungsrat (HVO) Verbrechen begangen hat, die allgemein bekannt waren“ und dass „der Krieg zwischen Kroaten und Bosnier militärisch, logistisch und zu einem großen Teil auch politisch von Zagreb aus geführt wurde“.
Dennoch, meint das Blatt, „wirft das Urteil zwei wichtige Fragen auf:“

Erstens darf man sich (zumindest bis zum Berufungsverfahren) fragen, ob das Gericht die wahren Schuldigen verurteilt hat, und zweitens, ob es sich wirklich um eine verbrecherisches Unternehmen gehandelt hat. [...] Denn der Konflikt in Bosnien-Herzegowina war komplex: Auf der einen Seite hat es die Militärintervention gegen die bosnische Armee gegeben, aber auf der anderen, hat Kroatien 200.000 bosnische Flüchtlinge aufgenommen und die Waffen der bosnischen Armee kamen aus kroatischem Territorium.

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