Krise in der Eurozone

Nicht Griechenland, sondern Europa ist das Problem

Veröffentlicht auf 14 Juni 2012 um 13:13

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Kurz vor den griechischen Parlamentswahlen am 17. Juni beschäftigt sich Le Soir intensiv mit der Euro-Krise und ihren Lösungsmöglichkeiten.

Für die Chefredakteurin des belgischen Tagesblatts, Béatrice Delvaux, ist der Fall Griechenland nicht die Ursache, sondern vielmehr ein Symptom des Übels, das Europa befallen hat:

Dieses Land ist gescheitert. Mit der Kur, die man ihm aufzwang, hat man nur seinen Gürtel enger geschnallt, ihm aber weder – ausreichend viel – Zeit verschafft, noch die Möglichkeit gegeben, sich grundlegend neu zu ordnen. [...] Hätte Europa die griechischen Turbulenzen besser in den Griff bekommen, wäre es in den vergangenen Monaten nicht so unglaublich tief gestürzt.

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Auch wenn die Griechenland-Krise die ganze Union belastet, macht man es sich mit folgender Erklärung allzu einfach: Für Griechenland „ist es ein entscheidender Augenblick, aber eigentlich steht ganz Europa auf dem Spiel.

Griechenland steht unter Druck, was das Problem nur noch verstärkt “, meint Béatrice Delvaux. Ihrer Meinung nach verleitet Europa nicht mehr zum Träumen. Für Delvaux ist die Union so komplex und undurchschaubar geworden, dass es ihr ganz einfach am nötigen Schwung fehlt:

Nie zuvor war es so wichtig, dass sich alle europäischen Länder solidarisch verhalten. Bisher aber glänzten unsere Politik und unsere Demokratie vor allem durch ihre Unfähigkeit. [...] Was wir brauchen ist politischer Mut und starke Ideen. Nur dann können wir wieder auf einen gemeinsamen und vielversprechenden Weg finden. Gelingt uns das nicht, wird unsere Demokratie und mit ihr der Euro untergehen. Egal ob die Griechen am Sonntag die ‚richtige’ Wahl treffen (d. h. für reformbereite Parteien stimmen), man kann es nur immer wieder wiederholen: Europas Problem ist nicht Griechenland, sondern Europa.

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