Ideen Debatte um die "Streichkultur"

Redefreiheit bedeutet sowohl Zuhören als auch Reden

Der Autor von „Redefreiheit: Prinzipien für eine vernetzte Welt“ (Hanser, 2016) beteiligt sich an der Debatte um die „Streichkultur“ (Cancel Culture) und betont die Notwendigkeit einer soliden Redefreiheit, aber auch eines aufmerksamen, aufgeschlossenen Zuhörens.

Veröffentlicht auf 22 Juli 2020 um 12:00

Ein Offener Brief zur Verteidigung robuster Debatten hat selbst eine robuste Debatte ausgelöst, inklusive eines Gegenbriefes. Gut so. Wir müssen die freie Rede verteidigen, sie aber auch für jene ausweiten, die weniger oft gehört werden.

Mehr als 150 hauptsächlich nordamerikanische Autoren, Akademiker und Journalisten haben einen offenen Brief unterzeichnet, der im „Harper’s Magazine“ und zeitgleich in der „Zeit“ veröffentlicht wurde.

Darin unterstützen sie die „Proteste gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit“, warnen aber gleichzeitig vor den abschreckenden Effekten einer neuen Zensurkultur, die sich in „Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, öffentlicher Anprangerung und Ausgrenzung“ manifestiert.

Ihr Hauptkritikpunkt zielte auf die Schwäche von „Institutionen“, die „im Geiste einer panischen Schadensbegrenzung übereilte und unverhältnismäßige Strafen verhängen, statt überlegte Reformen durchzuführen“.

Die Unterzeichner haben recht. Ein anstößiger Tweet, eine wirklich krasse Bemerkung, ein Literaturzitat, das den Rassismus oder Sexismus seiner Zeit enthält, und du bist weg vom Fenster – entlassen oder zumindest freigestellt.

Denn Institutionen überschlagen sich, um sich von dem intellektuell Aussätzigen zu distanzieren. „One strike and you’re out“ (Ein Schlag und du bist raus). Einige werden sagen, das seien nur Ausnahmen. Sicher ist jeder Fall als Einzelfall zu betrachten. […] Lesen Sie weiter im Der Tagesspiegel.

Originalartikel in der Financial Times.

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