Ideen Aus für Klubrádió in Ungarn

Viktor Orbán fügt der Pressefreiheit einen weiteren Schlag zu

Ein weiteres Medium wird in Ungarn mundtot gemacht: der linke, unabhängige Radiosender Klubrádió hat seine Sendelizenz verloren, womit ein jahrzehntealtes Programm einfach abgeschaltet wurde. Die Journalisten kämpfen weiter in der Hoffnung, dass ein langwieriger Gerichtsprozess ihnen am Ende Recht geben wird. Sie geben nicht auf, aber ihr Trotz hat einen hohen Preis.

Veröffentlicht auf 23 Februar 2021 um 12:34

Eine gängige Form des Selbstbetrugs lautet: Palma sub pondere crescit. Der Sinnspruch von der Palme, die unter der Last wachse, stammt aus den Noctes Atticae (Attische Nächte) des Aulus Gellius und warnt vor einer Überbehütung der Jugend. Er diente dazu, unhaltbare Zustände zu rationalisieren. Heute sprechen sich in Ungarn Journalisten damit Mut zu. Das ist ehrenwert. Doch die Realität ist eine andere. Man frage diejenigen, die von allzu großer Beschwernis bleibende körperliche oder seelische Wunden davongetragen haben, was sie von dem Satz halten. „Was Dich nicht umbringt, macht Dich nur stärker.“

Seit einem Jahrzehnt hat die ungarische Regierung immer wieder Anläufe unternommen, um den unabhängigen Radiosender Klubrádió mundtot zu machen. Erst wurde ihm die nationale Frequenz entzogen, dann verlor Klubrádió den Status als öffentlicher Sender und staatliche wie staatsnahe Unternehmen buchten keine Werbezeit mehr. Nun wurde dem Sender mit einer extrem technisch begründeten Gerichtsentscheidung die Sendelizenz entzogen. Die Journalisten streben eine Revision des Urteils an und produzieren einstweilen weiter ein im Internet abrufbares Programm.

Klubrádió finanziert sich bereits seit 2012 vorrangig aus Spenden der Hörer, also lange bevor das Abonnementprinzip sich im Online-Segment durchzusetzen begann. Klubrádió baute eine stabile Unterstützergemeinde auf, als viele andere Journalisten Crowdfunding noch als Euphemismus für Bettelei bezeichneten. Mittlerweile gibt es unter den wenigen verbliebenen unabhängigen Medien in Ungarn keine Zeitung, kein Sender und keine Plattform mehr, die nicht um Spenden bitten würde – meist zusätzlich zu Abonnementgebühren.

Schon bald nachdem die Orbán-Regierung im Jahr 2010 als einer der ersten Schritte nach dem überwältigenden Sieg bei den Wahlen das berühmte Kossuth Rádió in ein Verkündungsorgan verwandelt hatte, übernahm Klubrádió die Rolle des wichtigsten Senders für politische Debatten. Viele Generationen waren mit Kossuth Rádió aufgewachsen, seit der Sender 1925 den Betrieb aufgenommen hat. Nun wechselten viele ehemalige wichtige Kommentatoren des öffentlichen Rundfunks wechselten zu Klubrádió und mit ihnen die Hörer.

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Klubrádió ist nicht unparteiisch. Der Sender ist traditionell links-orientiert. Seit Viktor Orbán 2010 begann, den Staat umzubauen, steht er auf Seiten der Opposition. Einige der bekannten Moderatoren sind ebensolches Urgestein wie die vor sich hin sterbende Ungarische Arbeiterpartei. Andere haben so eng mit der Opposition zusammengearbeitet, dass sie irgendwann selbst bei Lokalwahlen antraten. Dieses Phänomen ist in der gesamten Region zu beobachten, i…

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