Nachrichten Fremdenfeindlichkeit

Was ist in Dänemark schiefgelaufen?

Gerade hat das dänische Parlament die Regeln für Familiennachzug verschärft. Der neue Text folgt auf eine ganze Reihe von Beschlüssen, die Einwanderern das Leben schwer machen, und zeugt von einer Fremdenfeindlichkeit, die sich über Europa ausbreiten könnte, warnt die Frankfurter Rundschau.

Veröffentlicht auf 11 November 2010 um 16:20

Es gab mal ein kleines Land im Norden Europas, das wegen seiner Menschenfreundlichkeit und liberalen Grundhaltung stolz, bekannt und beliebt war und ein Vorbild für andere. Das Land war Dänemark. Jetzt machen die Dänen mit Fremdenfeindlichkeit Schlagzeilen und mit Europas härtesten Einwanderungsregeln, die ein Hohn liberaler Denkweise sind. Vorbild sind sie damit immer noch, wenn auch die, die ihnen Beifall klatschen, jetzt aus dem anderen Lager kommen. „Das, was wir jetzt beschließen, wird bald auch anderen Ländern als Maßstab dienen“, rühmt sich die dänische Rechte, und die Erfahrung lehrt, dass dies wohl so kommen wird.

**Lesen Sie den kompletten Artikel auf der Website der Frankfurter Rundschau**

Aus dänischer Sicht

Ein dänisches Gräuelmärchen

Einen Tag nach der Verschärfung der Zuwanderungsregeln in Dänemark zitiert Jyllands-Posten das Andersen- Märchen vom Tölpel-Hans: „Wen würde die Prinzessin zum Gemahl wählen? Einen der beiden sehr gelehrten Brüder? Der erste hatte studiert und wusste das ganze lateinische Wörterbuch und nebenbei auch drei Jahrgänge vom Tageblatte des Städtchens auswendig. Der andere hatte sich in die Innungsgesetzte hineingearbeitet und konnte Hosenträger besticken und bei Staatsangelegenheiten mitreden. Tölpel-Hans, der dritte Bruder, hatte weder Diplom noch Empfehlung und dennoch war er es, der das Herz der Prinzessin und die Hälfte des Königreichs gewann. Moral von der Geschichte: Dem Menschen und der Liebe sind künstlich angeeignetes Wissen egal. Genau das ist die Rache des Volks an der Elite.“ Doch heute? „Wie würde die Prinzessin handeln, wenn sie Tölpel-Hans nach Europa bringen wollte?“

Die EU-Richtlinie zur Erteilung von Aufenthaltstiteln, berichtet die Tageszeitung, „verbietet jegliche Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der sozialen und ethnischen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung.“ Jyllands-Posten unterstreicht, dass „mehrere Urteile des Europäischen Gerichtshof diese Regeln sehr großzügig auslegen“ und dass „die EU vor kurzem beschlossen hat, die Einheit der Familie bei der Prüfung eines Asylantrags stärker zu berücksichtigen.“

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