Keine Almosen an den Staat. Orthodoxe Priester vor der Athener Kathedrale während der Verkündung des neuen Erzbischofs, Februar 2008. (AFP)

Kirche will nicht mehr wohltätig sein

Angesichts des großen Defizits hat die sozialistische Regierung Griechenlands beschlossen, die Besitztümer der mächtigen orthodoxen Kirche zu besteuern. Aber dieser Staat im Staat und wichtigster Grundbesitzer des Landes ist auf diesem Ohr taub.

Veröffentlicht auf 24 November 2009 um 16:36
Keine Almosen an den Staat. Orthodoxe Priester vor der Athener Kathedrale während der Verkündung des neuen Erzbischofs, Februar 2008. (AFP)

Das Murren wird zwischen Staat und Kirche - zwei nicht voneinander getrennte Institutionen - immer lauter. Der mächtigen Kirche Griechenlands gefällt es überhaupt nicht, dass die sozialistische Regierung ihre Immobilien [mit ungefähr 600.000 Euro] besteuern will und weigert sich schlichtweg, zu bezahlen."Griechenlands Kirche unterstützt den Staat, solange dieser funktioniert. Tut er das nicht, gibt es keinen Grund, das zu tun…", erklärt Erzbischof Theoklitos von Ioannina [im Nordwesten des Landes]. Der Verantwortliche für die Finanzen der Kirche Griechenlands behauptet, dass "diese Steuer einige Kirchenmitglieder in die Verschuldung treiben werde" und sieht nicht ein, warum die Kirche besteuert werden solle, da "es weder Krieg noch eine Naturkatastrophe gäbe, wo ein Beitrag zu leisten sei. Wir sollen heute die konjunkturelle Wirtschaftspolitik mitfinanzieren. Es steht außer Frage, dass wir die Rechnung der anderen bezahlen!"

Erzbischof Theoklitos hebt unter anderem hervor, dass "der Staat bereits mehrmals die Besitztümer der Kirche beschlagnahmt hat". Das letzte Mal geschah dies 1952, als ein noch heute gültiger Vertrag zwischen den zwei Institutionen unterzeichnet wurde, der ihre jeweiligen Verpflichtungen festlegte. Der Erzbischof erklärt, dass sich der Grundbesitz der Kirche nach den neuesten Schätzungen der Bank Griechenlands auf 702.160.000 Euro belaufe, das heißt auf nur vier Prozent von ihrem ursprünglichen Vermögen. Der Wert der Aktien im Besitz der Kirche entspräche nicht mehr als neun Millionen Euro.

Und wenn man Staat und Kirche trennt?

Heute versucht der Staat erneut, die Griechen zu besteuern und das Ergebnis wird unerfreulich sein. Die Kirche weigert sich nicht, Steuern zu zahlen, aber verlangt, dass diese auf bewirtschaftete oder nutzbare Besitzungen erhoben werden. Die angekündigte Verordnung "vergleicht uns mit einer karitativen Organisation [die dem Staat eine Spende in Form dieser Steuer zukommen lassen würde]. Wir sind aber eine Institution", erinnert der Sprecher. Der Kirchenapparat findet diese Entscheidung ungerecht, denn sie scheint zu vergessen, dass "die Kirche mehr als 800 Einrichtungen für Bedürftige unterhält", betont Erzbischof Theoklitos.

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Die Positionen sind klar. Die Kirche will nicht, dass die Rollen vertauscht werden und sie als Wohltätigkeitsorganisation definiert wird. Sie rechtfertigt damit ihre Weigerung, diese Versteuerung zu akzeptieren. Auf der anderen Seite sind die Staatskonten leer. Der Wirtschaftsminister sprach bereits von einer "Notsituation", da das Defizit 12 Prozent des BIP erreicht habe. Die mächtige Kirche Griechenlands ist der größte Grundbesitzer des Landes und somit als erste im Visier. Der sozialistische Ministerpräsident Georges Papandreou ist wild entschlossen, gegenüber der Kirche hart zu bleiben, genauso wie sein sozialistischer Vorgänger Costas Simitis 1999 in der Debatte um den Vermerk der Konfession im Personalausweis [gegen den Willen der Kirche ist der Vermerk nicht mehr obligatorisch].

Vielleicht wäre es besser gewesen, "die Kirche vom Staat zu trennen", sagt Erzbischof Theoklitos. "Wir hätten sicherlich weniger Priester, aber keine Beamten [in Griechenland werden die Priester von der Regierung ernannt]. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, weil wir oft die Kanzel für politische Zwecke benutzt haben", meint er. Die Debatte ist entbrannt.

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