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Abgeben! Turm des Sonnenwärmekraftwerks in Sevilla (Spanien), dem größten Europas (AFP)

Her mit den Patenten

Anstatt den Entwicklungsländern Geld für den Kampf gegen die Klimaerwärmung zu geben, wäre es besser, den Zugang zu neuen Technologien zu erleichtern, meinen zwei niederländische Forscher.

Veröffentlicht auf 12 Januar 2010 um 14:48
Abgeben! Turm des Sonnenwärmekraftwerks in Sevilla (Spanien), dem größten Europas (AFP)

Es ist bei der Klimakonferenz in Kopenhagen zu keiner Einigung gekommen. Das ist schade. Doch es ist ebenso schade, dass es keine Einigung gab, um einen Technologietransfer zu erreichen: eine Lockerung der Patentrechte im Bereich der Klima-Technologien zugunsten armer Länder. Technologien, die von den USA, Japan und Deutschland dominiert werden. Es wäre besser, wenn effiziente Technologien in den Bereichen Wind- und Sonnenenergie, CO2-Einlagerung und Biotreibstoffe (der zweiten Generation) nicht an Patente gebunden wären, denn letztlich kommen sie dem gesamten Planeten zugute. Darüber hinaus leiden die die Entwicklungsländer unter den Folgen des Klimawandels, ohne von den Vorteilen einer gut entwickelten Wirtschaft profitieren zu können.

Doch die Industriestaaten verweigern jeglichen Technologietransfer. Dies führte, noch vor der Konferenz von Kopenhagen, zum Aktionsplan von Bali (2007), für den eine Arbeitsgruppe einberufen wurde. Diese Gruppe erarbeitete Vorschläge, um die Staaten dazu zu bewegen, ihre Technologien in andere Länder zu übertragen. Doch zeigen die EU und die USA keine Eile, China und Indien in diesen Bereichen unter die Arme greifen zu wollen. Die 100 Milliarden Dollar, die ab 2020 den ärmsten Ländern der Welt zugesprochen werden, um gegen die Folgen des Klimawandels anzukämpfen, müssen mit einer gewissen Skepsis unter die Lupe genommen werden. Wird diese Hilfe nicht von einem Technologietransfer begleitet, handelt es sich dabei nur um eine versteckte Form der Förderung unserer heimischen Industrien. Die Entwicklungsländer bekommen Geld, um den Industrieländern ihre Technologien abzukaufen.

Ein Einwand lautet, dass man sonst keine teure Forschung mehr bezahlen könne. Doch fördert das derzeitige System wirklich effizient die Forschung? Man kann oftmals feststellen, dass Unternehmen lieber neueste Erkenntnisse beiseite legen, solange sich eine ältere (und qualitativ schlechtere) Innovation noch nicht rentabilisiert hat. Ein Klimafonds, der den Entwicklungsländern kein mehr Geld gibt, um Windräder oder Solarzellen zu kaufen, sondern eher weltweit die Einflussnahme der Unternehmen in ihrem Kampf gegen den Klimawandel fördert, wäre eine Lösung, über die man nachdenken sollte. Die Höhe dieser Bonuszahlungen hinge proportional vom konkret positiven Einfluss der Technologien auf das Klima ab. Was diese Lösung auszeichnet, ist, dass sie ein Anreiz darstellt, das Klimaproblem auf weltweitem Niveau ins Auge zu fassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Forschung sich auszahlt. Die Nationen denken immer zuerst an sich selbst und die Unternehmen daran, Gewinne zu machen. Das versteht sich von selbst. Demgegenüber steht aber eine Sache von übergeordnetem Interesse: der Kampf gegen den Klimawandel. Und darum geht es doch wohl zuerst.

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